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Börsengang-Kodex für
Neuen Markt
(pte, 29.8.2001) - Einer
Studie zufolge ist der Neue Markt international wettbewerbsfähig,
weist jedoch hinsichtlich der Transparenz bei Börsengängen
sowie der Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden Defizite
auf. Das Wachstumssegment der Frankfurter Börse habe besonders
bei der Qualität der Informationen und Verhalten bei IPOs
aufzuholen, heißt es im so genannten Neuer-Markt-Report,
der am Mittwoch in Frankfurt vorgelegt wurde. Dresdner Kleinwort
Wasserstein, Shearman & Sterling, Roland Berger Strategy
Consultants und die Deutsche Börse haben für den Report
das Wachstumssegment untersucht.
------Aufgrund der Studie will die Deutsche
Börse bis Mitte
2002 einen Kapitalmarktkodex für Unternehmen und Emissions-
begleiter beim Börsengang erarbeiten. Dieses Regelwerk soll
insbesondere den Börsenprospekt zur alleinigen Informations-
grundlage des Anlegers machen, die Prospektqualität erhöhen
und die Prospektsprache vereinfachen. Außerdem will die
Börse die Verteilung von Research Reports unmittelbar vor
und nach einem IPO beschränken. Zudem plant die Börse,
die Einhaltung des Kodex für den Neuen Markt verpflichtend
einzuführen. Für Börsengänge in anderen Segmenten
soll der Kodex auf freiwilliger Basis gelten.
-----Laut Dresdner Kleinwort Wasserstein nimmt der Neue
Markt bei Marktkapitalisierung, Börsenumsatz, Neuemissionen
und Transparenzstandards weiter die dominierende Stellung unter
den europäischen Wachstumsbörsen ein. Ein Performancevergleich
mit der amerikanischen Börse Nasdaq sei dagegen wegen unterschiedlicher
Evolutionsstufen und Sektoreinteilung nur bedingt aussagekräftig.
Die höhere Gewichtung der Branchen Internet, Online-Banken
und Biotechnologie am Neuen Markt führe auch dazu, dass
die Kursentwicklung des Neuen Marktes in der jetzigen Korrekturphase
hinter der Nasdaq zurückbleibt. Die Nasdaq weist mehr Unternehmen
aus den Branchen Software, Halbleiter und Telekommunikation auf.
------Shearman & Sterling hat im Rahmen der Studie das
deutsche Kapitalmarktrecht mit dem regulatorischen Umfeld in
den USA verglichen. Unterschiede bestehen vor allem bei der Überwachung
und Durchsetzung der Regelwerke, sowie in der vergleichsweise
jungen europäischen Aktienkultur, so die Experten. Während
in den USA nicht die Börse, sondern die Aufsichtsbehörde
Securities & Exchange Commission (SEC) mit umfangreicher
Regelungs-, Überwachungs- und Ahndungskompetenz eine zentrale
Position einnimmt, hat in Deutschland die Deutsche Börse
die Gestalterrolle für den Neuen Markt übernommen.
Daher bestehe auch Handlungsbedarf beim deutschen Gesetzgeber.
Unter anderen empfehlen die Rechtsexperten von Shearman &
Sterling die Vereinfachung der Börsenaufsichtstrukturen,
die Verschärfung der geltenden Haftungstatbestände,
eine Erhöhung der Strafmaße und eine konsequente Verfolgung
von Rechtsverstößen.
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