Britische Immobilienblase droht zu eskalieren

pts, 7. Aug 2002 - Alle Welt schaut derzeit gebannt auf die Aktienmärkte und das lateinamerikanische Bankensystem. Andere Risiken für die Stabilität des Finanzsystems und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung sind dabei aus dem Blick geraten. Dabei haben Experten den nächsten Krisenherd bereits unmittelbar vor unserer Haustür längst ausgemacht.

Der britische Immobilienmarkt ist laut GSC Research der nächste Kandidat für eine scharfe Korrektur. Wie Swen Lorenz in einer aktuellen Studie des Düsseldorfer Research-Hauses erläutert, liegen dort alle Voraussetzungen für einen schweren Einbruch vor. Bis vor kurzem wurde in der Metropole London ein Rekordstand nach dem anderen verzeichnet. Die derzeit teuerste Wohnimmobilie der Welt liegt direkt neben dem Kensington Palast: dort wurde im vergangenen Jahr das ehemalige Stadtanwesen der Rothschilds für 120 Mio. Euro verkauft.

Für Normalbürger sind Immobilien und Mieten kaum noch bezahlbar. Selbst Zwei-Zimmer-Wohnungen in guter Lage erzielen Mietpreise von über 1000 Euro – wohlgemerkt pro Woche. Für die meisten Engländer längst unerschwinglich, wohl aber bis vor kurzem noch von den zahllosen Mitarbeitern der Investmentbanken. Doch genau hier droht Gefahr: im Zuge der Börsenbaisse kam es zu umfangreichen Bonuskürzungen und Entlassungen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich hier eine kräftige Abwärtsspirale in Gang setzt.

Besonders alarmierend: die bis zu 125prozentige Fremd- finanzierung, mit denen britische Banken aggressiv auf Kundenfang gehen, etwa unter dem Motto “verschaffen Sie sich mit dem Kauf einer Immobilie gleich noch das nötige Bargeld für einen Sportwagen”. Das tatsächliche Einkommen der Kunden spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle: in Großbritannien ist derzeit das System der Selbstzertifizierung (“self-certification”) üblich, bei dem der Kunde sich selbst eine Bescheinigung über seine Einkommenshöhe ausstellt – Missbrauch ist hier angesichts der scheinbar sicheren Gewinne beim Immobilienkauf vorprogrammiert.

Die Euphorie wird nach Einschätzung von GSC Research nicht mehr lange anhalten. In der Vergangenheit mussten die Engländer im Durchschnitt rund das vierfache Jahreseinkommen für den Erwerb des Eigenheims aufbringen. Aktuell liegt dieser Wert beim achtfachen. Das gab es bereits einmal, nämlich im Sommer 1988. Damals fielen die Preise anschließend rapide in sich zusammen.

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