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Grundkonsens unter deutschen
Börsen aufgekündigt
(pte, 18.10.02) - Die Umbruchsituation an den deutschen
Börsen hat sich nach Beobachtung der Börse Stuttgart
im laufenden Jahr weiter verschärft. Davon zeugen die verstärkten
Bemühungen der einzelnen Börsen, sich mit neuen Handelssystemen
und Marktmodellen Vorteile bei den Anlegern verschaffen zu wollen.
"Der Wettbewerb ist für viele Anbieter von Handelsplattformen
zum Überlebenskampf geworden", sagte Andreas Willius,
Vorstandsmitglied der boerse-stuttgart AG, anlässlich eines
Symposiums für Handelssysteme in Frankfurt, wo sich insgesamt
sechs Börsen vor Profis und Privatanlegern präsentierten.
Neben Stuttgart, der Nummer zwei unter Deutschlands Börsen,
waren die Handelsplätze Frankfurt, Berlin, Düsseldorf
und München sowie die Swiss Exchange vertreten.
Willius erklärte,
dass der bisher bestehende Konsens, was in Deutschland unter
einer Börse zu verstehen sei, mit dem Aufkommen von Internalisierungsmodellen,
wie sie die Deutsche Börse AG mit Xetra Best und die Nasdaq
Deutschland vorgestellt haben, aufgekündigt worden sei.
Diese Systeme bieten Großbanken die Internalisierung von
Orderströmen - an der Börse vorbei - an. "Damit
stehen sich zwei konträre Auffassungen des Börsenbegriffs
gegenüber: die eines staatlich überwachten Handelsplatzes
im herkömmlichen Sinn und die einer Plattform, die auf Grund
der Eigeninteressen der Internalisierer ihren neutralen Charakter
preis gibt", sagte der Stuttgarter Börsenchef. Mit
juristischen Kunstgriffen suggerierten die Plattformbetreiber
dabei, dass es sich um eine Ausführung mit Börsenqualität
handle, damit die internalisierende Bank die Aufträge im
eigenen Haus gegen andere Kundenorders oder den Eigenbestand
matchen könnten, ohne die explizite Zustimmung der Anleger
einholen zu müssen.
Die Initiatoren solcher
Systeme würden den Anlegern zwar versprechen, dass ihre
Orders nur dann bankintern ausgeführt würden, wenn
sie dort einen, wenn auch nur minimal günstigeren Preis
als an der offiziellen Börse erzielen könnten. Ein
solches Modell aber drohe den eigentlichen Börsenhandel,
dessen Preise die Internalisierer ja unterbieten wollen, auszutrocknen.
"Mit der Folge, dass die Spreads ausgeweitet werden",
sagte Willius. Diese breiteren Spannen dann um wenigstens einen
Cent zu unterbieten und den restlichen Spread einzustreichen,
dürfte den beteiligten Großbanken nicht allzu schwer
fallen. Die Anleger liefen damit Gefahr, warnte Willius, am Ende
einen schlechteren Preis bezahlen zu müssen als sie ohne
Internalisierung erhalten hätten ohne dies freilich
zu erkennen. Schließlich könnten sie ja zum Vergleich
nur die - nun ausgedehnten - Spreads der echten Börse heranziehen.
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