Wer sind tatsächlich die Schmarotzer
und Verschwender - Sozialhilfeempfänger oder Sozialämter?

14.09.03 - - Alle Sozialhilfeempfänger sind Schmarotzer und bekommen aus unseren Steuergeldern Urlaub unter Palmen finanziert, während ehrliche Menschen hart schuften müssen.

Ist zumindest eine Meinung.

Es sieht aber auch oft anders aus: Sozialhilfeempfängerin S, 54 Jahre alt und körperlich deutlich angeschlagen, möchte so geringe Sozialhilfekosten wie möglich verursachen - es sind ja schließlich Steuergelder, die vor allem von denen aufgebracht werden, die es selbst nicht so dicke haben. Daher sucht sie sich eine Wohnung, die erheblich weniger Geld kostet als ihre bisherige, die das Sozialamt voll bezahlt: 255 statt 310 Euro im Monat. Mit dem damit verbundenen Komfortverlust - keine Badewanne mehr, sondern eine Einstelldusche in der Küche, kein Badezimmer, sondern nur ein Toiletten-Kabuff in der Küche, die zudem dunkler ist als die bisherige - findet sie sich ab.

Nachdem die Hausverwaltung überzeugt ist, auch eine Sozialhilfeempfängerin als Mieterin zu akzeptieren, möchte sie vom Sozialamt die Übernahme der Miete und der Kaution von 504 Euro.

Doch das Amt lehnt ab: Im Zuge der Sparmaßnahmen stellt das Sozialamt seit 1. Juli keine Kautionen mehr. Das Argument, dass der Umzug jeden Monat 55 Euro an Mietkosten sparen würde und die Kaution zudem beim Auszug ans Amt zurückfließen würde, zählt nicht.

S hat die neue Wohnung ausgewählt, weil sie billig ist und im Erdgeschoss liegt. Sie möchte in ihrem Leben nicht noch einmal umziehen und braucht daher eine Wohnung, in die sie keine Treppen steigen muss. Innerhalb von gerade mal neun Monaten wäre die - rückerstattbare! - Kaution durch die geringere Miete eingespart. Trotzdem weigert sich das Amt zu zahlen - zum Schaden der Steuerzahler.

Aber erst mal hat das Sozialamt den Antrag verschludert. Vielleicht weil S einen rechtsmittelfähigen Bescheid wollte?