Zahlungsmoral von Grosskonzernen sinkt
Über 50 Prozent der Betriebe mit gesunkenen Erträgen

02.02.03 - pte - - "Revolvierende Finanzoptimierung“ nennt man im Insiderjargon etwas verharmlosend eine Zahlungspraxis, die sich vor allen Dingen in Großkonzernen ausbreitet: Dabei werden Rechnungen von Lieferanten oder Versicherungen bewusst verspätet beglichen, zugleich aber weitere Leistungen in Anspruch genommen. Auf dem Rücken der Gläubiger versuchen Unternehmen mit dieser Methode, ihre Liquidität zu erhöhen und die Zahlungsunfähigkeit zu kaschieren. Die zunehmend schleppenden Zahlungen von Kunden führen immer öfter in die Pleite. Dass es insbesondere dem Mittelstand ausgesprochen schlecht geht, zeigt eine Umfrage der Creditreform .

So berichteten 53,8 Prozent der befragten Betriebe von gesunkenen Erträgen. Höhere Gewinne konnten nur 14,8 Prozent vorweisen. Für Creditreform-Chef Helmut Rödl ist ein Silberstreif am dunklen Horizont längst noch nicht in Sicht: "Die Ertragslage bleibt desolat“. Dadurch wächst die Konkursanfälligkeit drastisch, denn geringere Gewinne schwächen die Selbstfinanzierungskraft, die Reserven schrumpfen.

Mit einer Eigenkapitalquote, die einer Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zu Folge im Schnitt gerade einmal sieben Prozent beträgt, sind Mittelständler für die Wechselfälle des Geschäftslebens ausgesprochen schlecht gerüstet. So erreichte die Insolvenzwelle im vergangenen Jahr eine neue Rekordmarke von mehr als 40.000 Firmenpleiten.

Vor allem die desaströse Zahlungsmoral ist nach Erkenntnissen des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) inzwischen zu einem gewichtigen Ursachenfaktor für Insolvenzen geworden. "Seit Jahren beobachten wir in Deutschland eine kontinuierlich sinkende Zahlungsmoral“, berichtet BDIU-Präsident Ulf Giebel. Die Gründe seien neben Überschuldung und Arbeitslosigkeit in zunehmendem Maße das vorsätzliche Nichtbezahlen von fälligen Rechnungen. In einem solchen Fall sei seiner Meinung nach ein Inkassoverfahren der einzige gangbare Ausweg für ein Unternehmen.