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Finanzierungsengpass
im Mittelstand steigt
Für rund 45 Prozent der
mittelständischen Unternehmen haben sich die Finanzierungsbedingungen
im vergangenen Jahr verschlechtert. Im Vorjahr waren es nur
32 Prozent der Mittelständler, die über eine erschwerte
Kreditaufnahme geklagt haben. Dies ist die zentrale Aussage der
Unternehmensbefragung zu Bankenverhalten und Finanzierung, die
die KfW mit dem BGA und weiteren Wirtschaftsverbänden vorgestellt
hat.
In der mittelstandsfeindlichen Gesetzgebung der vergangenen
Jahrzehnte liegt eine wesentliche Ursache für die nunmehr
chronische Eigenkapitalschwäche des deutschen Mittelstandes,
so BGA-Prä­sident Anton F. Börner auf der gemeinsamen
Pressekonferenz mit KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich.
Die Banken sind risikobewusster
geworden. Die Ergebnisse zeigen deutlich einen Trend zu mehr
Transparenz im Verhältnis zwischen Bank und Unternehmen
auf. Zwei Drittel der Unternehmen, deren Kreditaufnahme schwieriger
geworden ist, berichten, dass die Kreditinstitute verstärkt
auf die Offenlegung von Geschäftszahlen und -strategien
drängen. Gestiegene Anforderungen betreffen auch die Dokumentation
des zu finanzierenden Vorhabens. Größere Unternehmen
sind überraschenderweise hiervon stärker betroffen
als kleinere. Hinzu kommt, dass die Banken mehr Kreditsicherheiten
verlangen. Auch bei der Kreditvergabe zeigen sich die Banken
vorsichtiger.
- Über 12 % der Unternehmen
ist in den letzten drei Jahren die Bankverbindung gekündigt
oder eine Kündigung angedroht worden, obgleich so gut wie
alle (97 Prozent) ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen eingehalten
haben.
- 20 % der Anträge für
einen Investitionskredit wurde von der Bank abgelehnt.
- Ein Drittel der Unternehmen,
die Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme haben, sehen ein Problem
darin, überhaupt noch Gelder zu erhalten. Besonders betroffen
sind kleinere (bis 1 Mio. Jahresumsatz) und ostdeutsche
Unternehmen (52 Prozent).
Rating darf nicht länger
ein Buch mit sieben Siegeln bleiben! Nur wer die Ratingkriterien
seiner Bank kennt, kann sich darauf einstellen und das Rating
auch beeinflussen. Im Vergleich zur Vorjahresbefragung ist der
Anteil der Unternehmen, die die Bonitätskriterien ihres
Kreditinstituts kennen, von 51 auf 58 Prozent angestiegen.
Rund 60 Prozent der Unternehmen,
die die Ratingkriterien kennen, halten sie auch für nachvollziehbar.
Allerdings fällt auf, je älter und größer
das Unternehmen, desto zufriedener ist es mit seiner Bonitätseinstufung.
Unternehmen, deren Kreditaufnahme leichter geworden ist, waren
auch eher mit ihrem Rating zufrieden.
Die wichtigste Finanzierungsform
ist für den Mittelstand die Innenfinanzierung. Kurz- und
langfristige Kredite haben nach wie vor eine zentrale Bedeutung.
56 Prozent der Unternehmen streben eine Erhöhung der Eigenkapitalquote
an. Die meisten wollen verstärkt Gewinne einbehalten. Viele
wünschen sich frisches Eigenkapital, wollen die unternehmerische
Leitung aber nicht teilen und fürchten Verkäufe der
Anteile an Dritte. KfW-Sprecher Reich erläuterte: Hier
müssen neue, kostengünstige und bedarfsgerechte Eigenkapitalinstrumente
für den breiten Mittelstand entwickelt werden. Ein
entsprechendes Pilotvorhaben als Vorstufe des Börner-Modells
ist bereits in Arbeit.
Von den Unternehmen des Groß- und Außen­handels
kamen rund 1.200 der 12.000 über die Regional-, Landes-
und Branchen- verbände verschickten Fragebögen zurück.
Ausgewertet wurden insgesamt rund 4.800 Fragebögen.
Jürgen Hasler-BGA |