Insolvenzplanverfahren zur Firmensanierung
Pleitenwelle rollt über Deutschland – Wellenbrecher Insolvenzplanverfahren wird zu wenig genutzt

Trotz stetig hoher Insolvenzzahlen wird das bereits 1999 in Deutschland eingeführte Insolvenzplanverfahren zur Sanierung von Unternehmen noch zu selten genutzt. Das Insolvenzplanverfahren der Herlitz AG war das erste populäre Beispiel, das zeigt, welche Potenziale in dem neuen Verfahren liegen. Ein Beispiel, das hoffentlich Schule macht. "Es herrscht ein gravierender Informationsmissstand. Die Folgen treffen besonders mittelständische Unternehmen", so Christoph Kaltmeyer von der Unternehmensberatung Corporate Value Associates (CVA), Berlin. Der Experte für Insolvenzrecht, der zuletzt das Insolvenzplanverfahren der Mühl AG mit initiierte, plädiert dringend für mehr Aufklärung: "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt."

Viel mehr Unternehmen könnten gerettet werden, wenn das Management die Neuerungen des Insolvenzrechts kennen und rechtzeitig anwenden würde. Mit dem Insolvenzplanverfahren erhält das Management in Deutschland erstmals eine effektive Handhabe zur Sanierung des Unternehmens. Nach dem Vorbild des Chapter 11 aus den USA sind die Unternehmen in der Krisensituation nicht länger schutzlos einzelnen Gläubigern ausgeliefert, sondern können ein Sanierungskonzept auch gegen den Widerstand einzelner Gläubiger durchsetzen. Voraussetzung für ein erfolgreiches Handeln des Managements ist es, rechtzeitig über die Potenziale der neuen Rahmenbedingungen informiert zu sein und sich damit frühzeitig der Krise stellen zu können.

Trotz erwarteter 40.000 Firmenpleiten für das Jahr 2002 und kaum mehr als 100 größerer Insolvenzplanverfahren seit 1999 sieht die Politik anscheinend keinen Handlungsbedarf.

In dem Abschlussbericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Insolvenzrecht" – vorgelegt am 20. Juni 2002 – heißt es lax: "Die recht langsame Entwicklung des Insolvenzplanrechtes gibt für sich genommen noch keinen Anlass zur Besorgnis. Es handelt sich um eine typische Erscheinung zur Einführung eines neuen Rechtsinstrumentes." Dies widerstrebt Berater Kaltmeyer: "Das Verfahren gilt als das ,Kernstück' der Insolvenzrechtsreform, das als universelles Instrument die Sanierung von Unternehmen entscheidend verbessern soll. Gerade in Zeiten von Pleitenrekorden sollte aus Sicht der Politik akuter Handlungsbedarf bestehen. Es gilt vor allem, das Management mittelständischer Unternehmen aufzuklären."

CVA hat nun einen Leitfaden zur Anwendung des Insolvenzplan- verfahrens entworfen, in welchem ganz pragmatisch Hilfe zur Umsetzung gegeben wird:

  • Voraussetzungen, die ein Unternehmen erfüllen muss, um für ein Insolvenzplanverfahren in Frage zu kommen
  • Der richtige Zeitpunkt für ein Insolvenzplanverfahren (auch in Eigenverwaltung)
  • Erste Alarmzeichen, die eine Managementreaktion erfordern
  • Die Vorgehensweise Schritt für Schritt
  • Der Stellenwert externer Beratern bei der Durchführung des Verfahrens
  • Verfahrensdauer und -kosten

Aktuell führt CVA mit 120 Unternehmen eine empirische Studie zum Informationsstand des Managements deutscher Unternehmen im Bereich Unternehmenssanierung und Insolvenzplanverfahren durch. Dazu Berater Kaltmeyer: "Bereits das Zwischenergebnis der Studie zeigt das Ausmaß des Informationsmissstandes auf. Wenn die Ergebnisse auf dem Tisch liegen, kann niemand mehr vor dem dringenden Handlungsbedarf die Augen verschließen. Wir brauchen eine auf die Zielgruppe der mittelständischen Unternehmer ausgerichtete Informationskampagne zu deren Unterstützung."

Die Corporate Value Associates (CVA) wurde nach eigenen Angaben 1987 gegründet und operiert weltweit. Mit 200 Professionals in zwölf Büros in Europa, Amerika, Asien und Australien arbeitet CVA an strategischen und organisatorischen Themenstellungen für private und öffentliche Klienten. Seit 2001 ist CVA in Deutschland mit einem 15-köpfigen Team in Berlin vertreten und wird von ehemaligen Partnern internationaler Beratungsfirmen geführt. CVA verfügt dabei über eine langjährige Projekterfahrung auf dem Gebiet der Restruk- turierung und Sanierung und begleitet derzeit zwei der fünf großen deutschen Sanierungsfälle. Das Know-how auf diesem Gebiet ist neben der Projektarbeit auch durch wissenschaftliche Publikationen dokumentiert, in denen CVA schon Anfang 1999 in entsprechenden Fachzeitschriften auf die Potenziale des neuen Planverfahrens aufmerksam gemacht hat.

Das CVA-Papier zum Insolvenzplanverfahren sowie Informationen zur Studie können erfragt werden bei:
CVA Medienbüro c/o Zucker.Kommunikation
Team CVA
Tel.: 030 247587-0
Fax: 030 247587-77
E-Mail: cva@zucker-kommunikation.de