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Zimbo - Kein Gewurstel
mit den Banken
ZIMBO führt den Banken ihre eigene
Aufgabe klar vor Augen: Wenn sie nicht Dienstleister für
den Mittelstand sein wollen, werden sie eventuell nicht mehr
gebraucht.
Der Bochumer Fleisch- und Wurstwarenhersteller
ZIMBO will zwei weitere Fabriken bauen. Die Werke sollen in Polen
und Ostdeutschland entstehen. Das besondere an dieser neuen Expansion
ist die Finanzierung: Das Familienunternehmen ging nämlich
nicht wie üblich zur Hausbank, um einen Kredit zu beantragen,
sondern legte eine Anleihe auf: 1.000 Euro Mindestanlage, 7%
Zinsen, fünf Jahre Laufzeit. Das Gesamtvolumen beträgt
15 Millionen Euro. Von Kreativität zeugen dabei neben dem
ungewöhnlichen Weg über die Anleihe auch die Art und
Weise, wie die Papiere auf den Markt gebracht werden.
ZIMBO verzichtet sowohl auf eine Bonitätsbewertung
durch eine der großen Ratingagenturen als auch auf die
Beratung und Platzierung durch eine Investmentbank. Das
kostet einige hunderttausend Euro pro Jahr, begründet
Firmenchef Zimmermann. Außerdem würden zweieinhalb
bis fünf Prozent Vertriebskosten anfallen. Da zahlen
wir lieber eine höhere Verzinsung, so Zimmermann weiter.
Ohnehin bescheinigt das Inkassounternehmen Creditreform dem Lebensmittelhersteller
eine sehr gute Bonität. Darüber hinaus müsse man
ZIMBO nicht erklären, wie Vertrieb funktioniert. Mitarbeiter
aus dem hauseigenen Call-Center verkaufen nach spezieller Schulung
die Anleihen. Die können den Anlegern vernünftige
Auskünfte geben, weil sie das Unternehmen kennen,
erklärt der Chef den vorübergehenden Wandel vom Wurst-
zum Finanzvertrieb.
Hintergrund der ganzen Aktion ist ein
ernsthaftes Problem - der Vertrauensverlust der Banken im deutschen
Mittelstand. Zwar hat auch ZIMBO die Aufnahme eines Kredits in
Erwägung gezogen, letztlich überwog aber der Wunsch,
sich von den Banken unabhängiger zu machen. Zimmermann beklagt
unter anderem, dass die Ansprechpartner bei den Banken ständig
wechseln, während man sich früher noch persönlich
kannte. Weiterhin bemängelt er, dass Entscheidungen nur
noch auf der Grundlage von Papieren getroffen würden. Dem
interessierten Anleger kann das zunehmende Misstrauen in diesem
Fall nur Recht sein. Die Bilanzstruktur der Muttergesellschaft
ist solide. Bereits im Dezember 2003 war nach nur einem Monat
die Hälfte der Papiere platziert - und das ausschließlich
bei Privatanlegern.
Das Unternehmen ZIMBO - die Abkürzung
steht für Zimmermann Bochum - wurde 1953 als Fleischwarengroßhandel
in Witten / Ruhr gegründet. Damals begann Zimmermanns Vater
Max als fahrender Händler mit der Belieferung von Lebensmittelgeschäften.
1971 erfolgte die Verlegung des Firmensitzes nach Bochum. Nach
der Wende fasste das Unternehmen auch in den ostdeutschen Bundesländern
sehr schnell Fuß. Mittlerweile ist das Familienunternehmen
zu einer Firmengruppe mit einem Jahresumsatz von über 550
Millionen Euro herangewachsen. Nach einer Messung der Gesellschaft
für Konsumforschung (GfK) ist ZIMBO der größte
Anbieter von SB-Wurstwaren in den Supermarktregalen.
Firmenchef Zimmermann gilt als erfolgreicher
deutscher Mittelständler, wie er im Buche steht: bodenständig,
dabei aber neuen Ideen gegenüber stets aufgeschlossen. ZIMBO
hat mehr als 3100 Mitarbeiter, 35.000 Stammkunden, 25 Warenzeichen
und sieben Herstellungsbetriebe. Einer davon steht seit 1991
in Suhl. Die jährliche Produktionsmenge des gesamten Unternehmens
liegt bei rund 55.000 Tonnen. In Deutschland verfügt ZIMBO
über zehn Vertriebsniederlassungen und Verkaufsbüros.
Selbstverständlich ist man aber auch im Ausland vertreten;
momentan in Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal, Dänemark,
Ungarn und Tschechien.
ZIMBO hat sich ganz der Herstellung
regionaler Spezialitäten aus Ursprungsregionen im In- und
Ausland verschrieben. Diese regionale Verbundenheit wird auch
in einer Werbekampagne des Bochumer Unternehmens unterstrichen.
Die eigene - 250 Fahrzeuge starke - LKW-Flotte rollt mit attraktiven
Landschaftsmotiven durch die Lande. Damit möchte die Firma
Genuss und Lebensart wie am Ursprungsort vermitteln. Außerdem
soll den Kunden emotional wieder Lust auf Wurst gemacht werden.
Das Engagement von ZIMBO wurde bereits zweimal (1999 und 2002)
mit dem Oskar für den Mittelstand belohnt. |