Auf der Suche nach dem Mittelstand
Aktuelle Analyse Systems 2002
Wie die gerade beendete
Systems in München gezeigt hat, haben die Anbieter von E-Business-Lösungen
ihr Herz für den Mittelstand entdeckt. Waren vor kurzem
noch Großunternehmen die am stärksten umworbene Ziel-
gruppe -- schließlich galt es, mit komfortablen Budgets
ambitionierte E-Business-Strategien umzusetzen -- so versuchen
die IT-Unternehmen nach dem Versiegen dieser Auftragsquelle,
die vermeintlich stabileren Budgets des Mittelstandes zu erschließen.
Aber ist das wirklich für jeden eine Erfolg versprechende
Strategie?
Wer oder was ist überhaupt der Mittelstand? Zunächst
einmal ist "der Mittelstand" eine deutsche Besonderheit,
da für die Definition nicht nur die Unternehmensgröße
herangezogen wird, wie in anderen Ländern, sondern auch
die Führung des Unternehmens durch die Eigentümer.
Mittelstand, so hat es der DIHT einmal formuliert,
"ist eine Frage der Geisteshaltung [und] der Entscheidungsstrukturen
[...]".
Wenn aber jeder selbständige Unternehmer zum Mittelstand
zählt, schließt die Definition auch die Kleinsten
ein. In der Tat zählt das Bonner Institut für Mittelstandforschung
im großen und ganzen alle Unternehmen mit weniger als 500
Beschäftigten und 50 Millionen EUR Umsatz zum Mittelstand.
Damit sind in Deutschland 99,7 Prozent aller Unternehmen mittelständisch.
So eine Abgrenzung ist sicher gut für die Mittelstands-
politik und das Marketing von mittelstandsorientierten E-Business-
Lösungen -- schließlich kann sich fast jeder Unternehmer
angesprochen fühlen --, aber für eine klare Zielgruppenanalyse
ist die Definition wenig hilfreich.
Die Abgrenzung der EU, die von KMUs, also von kleinen und mittleren
Unternehmen spricht, hilft da schon weiter: Kleine Unternehmen
haben danach weniger als 50 Beschäftigte und bis zu 9 Millionen
EUR Umsatz, mittlere haben weniger als 250 Beschäftigte
und bis zu 50 Millionen EUR Jahresumsatz. Häufig werden
bei den kleinen Unternehmen noch einmal die mit weniger als 10
Beschäftigten -- so genannte Kleinstunternehmen -- extra
betrachtet.
Schauen wir uns die Teilbereiche einmal näher auf ihre Eignung
als Zielgruppe für die E-Business-Anbieter an: Die mehr
als 2,9 Millionen Kleinstunternehmen in Deutschland stellen fast
88 Prozent aller Unternehmen, bilden also den Löwenanteil.
Was die Nutzung von Informationstechnologie angeht, ähneln
die meisten dieser Unternehmen eher privaten Haushalten als Großunternehmen.
Genutzt werden also hauptsächlich E-Mail und das Web. Komplexe
IT-Lösungen lohnen sich meist nicht. Damit scheiden sie
als Zielgruppe der klassischen E-Business- Anbieter aus und sind
eher interessant für Anbieter von konsumenten- orientierten
Produkten oder für Unternehmen, die sich von vornherein
auf diese Klientel spezialisiert haben.
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