Unternehmen leiden unter Informations-Overkill

Soziale Komponenten und informelle Kontakte sind lt. einer Studie von Gartner wichtiger als Hightech

Die Vorteile des Informationszeitalters und der damit verbundenen weltweit verfügbaren Datenmenge könnten sich, zumindest für Unternehmen, als Schlag nach hinten entpuppen. Laut einer Studie von
Gartner glauben 90 Prozent aller Unternehmen, dass sie unter einem Überfluss an Informationen leiden und dass diese Flut ihre Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert. Gartner geht davon aus, dass die Unternehmen im nächsten Jahr 30 Mrd. Dollar für Informations-Management-Systeme ausgeben werden, um der Datenmasse aus Internet, Intranet etc. Herr zu werden. Anstatt Unternehmen technisch hochzurüsten, empfiehlt Gartner informelle Kanäle wie etwa persönliche Netzwerke (Freunde, Kollegen), den E-Mail-Verkehr oder soziale Interaktionen zu fördern.

Persönliche Kontakte mit Freunden oder Kollegen sind für die Entscheidungsfindung innerhalb eines Unternehmens viel wichtiger als Informationen aus dem Netz bzw. dem Firmen-Intranet. Die befragten rund 300 Unternehmen gaben allerdings an, gerade diese informellen Kontakte am wenigsten zu fördern. "Da Computer-Technologien menschliche Informationsbedürfnisse nicht nachvollziehen können, können sie nur beschränkt als Informations-Filter-Hilfen eingesetzt werden", so Gartner-Analyst Alexander Linden. Generell sei es für Unternehmen leichter neue Technologien zu implementieren, als die Informations-Unternehmenskultur zu ändern.

Laut Gartner liegt ein zentraler Schlüssel in der Verhinderung des Informations-Overkills in der Pflege von sozialen Interaktionen. Diese könnten mit einfachen Mitteln wie inoffiziellen Treffen, Cafeterias oder Lounges ergänzend zu technischen Features wie speziell aufbereiteten Suchmaschinen, Expertennetzwerken oder elektronischen Bulletin-Boards eingesetzt werden. Es stellte sich heraus, dass der öffentliche Sektor am wenigsten mit Informations-Management-Systemen agiert, während Beratungsunternehmen großteils derartige Programme einsetzten. Rund 75 Prozent der Consulter haben eigene Kommunikations-Management-Programme implementiert, während nur fünf Prozent der Regierungs-Organisationen derartige Systeme benützen.