Vom Wollen zum Tun
Konsequenter Unternehmenserfolg
durch Disziplin
von Cay von Fournier
"Es genügt
nicht zu wissen, man muss es auch anwenden.
Es genügt nicht zu wollen, man muss es auch tun."
Johann Wolfgang von Goethe
Der Unterschied zwischen
einem erfolgreichen Unternehmen und einem weniger erfolgreichen
Unternehmen ist immer eine Frage der Konsequenz. Was in der Unternehmensführung
gilt, hat auch Gültigkeit in der Lebensführung und
bei der Führung von Menschen. Wir können uns Ziele
setzen, kreativ sein, Nutzen bieten und investieren. Es wird
nur wenig nutzen, wenn wir im Alltag nicht konsequent handeln.
Konsequenz leitet sich
vom lateinischen Wort "consequentia" ab und bedeutet
"folgen" oder auch "mit Folge" (cum sequentia).
Im übertragenen Sinne bedeutet es die Folgerichtigkeit des
Denkens und Handelns. Impliziert ist die Forderung, unser Handeln
an den von uns aufgestellten Regeln und Aussagen auszurichten.
Immer dann, wenn wir ein Ziel konkret formuliert haben, muss
auch konsequent gehandelt werden. Wenn dies nicht geschieht,
verlieren wir an Glaubwürdigkeit. Unser Reden und unser
Handeln passen dann nicht zusammen. Dies ist oft auch eine Grundlage
des fehlenden Vertrauens, das in Unternehmen bemängelt wird.
Vertrauen entsteht nur durch eine kontinuierlich unter Beweis
gestellte Glaubwürdigkeit. Erst wenn wir auch meinen, was
wir sagen, und tun, was wir meinen, schaffen wir Glaubwürdigkeit
und Vertrauen. Dies trifft auf das Unternehmen ebenso zu wie
auf das private Leben. Wer kennt nicht das Problem des guten
Vorsatzes? Das Gegenteil von "gut" ist eben nicht unbedingt
"schlecht", sondern "gut gemeint und nicht gehandelt".
An der Konsequenz des Handelns können alle Vorsätze
scheitern.
Beispiele aus der
Natur
Die Natur ist immer konsequent.
Sie folgt natürlichen Gesetzen, die immer zu einer Folge
führen. Nicht nur die einfache Gesetzmäßigkeit
der Schwerkraft, sondern auch die unendliche Fülle von Folgewirkungen
machen die Konsequenz der Natur aus. Wenn Lebewesen schwach werden,
so sind sie leichte Beute für Raubtiere, die so ihre eigene
Existenz sichern. Die gesamte Evolution ist ein konsequenter
Prozess von Versuchen, Irrtümern und Erfolgen. Ein Ökosystem
reagiert mit Konsequenz, wenn es aus dem Gleichgewicht gebracht
wird - immer mit dem Ziel, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Beim Transfer von Vergleichen aus der Natur muss allerdings stets
betrachtet werden, wie das dahinter liegende Wertesystem aussieht.
Es ist eben nicht richtig, dass die Stärksten oder Intelligentesten
überleben, sondern immer nur die, die am ehesten bereit
sind, sich den veränderten Bedingungen anzupassen.
Konsequenz können
wir auch beim Organismus Mensch sehen. Führen wir diesem
zu viel Nahrung zu, wird er übergewichtig. Führen wir
zu wenig Nahrung zu, stirbt er langsam aber sicher. Unser Organismus
ist - wie die Natur - im Gleichgewicht, und alles, was dieses
Gleichgewicht stört, verursacht unweigerlich eine Konsequenz.
Wie wichtig wäre ein derartiges Verständnis auch in
unserer Wirtschaft.
Der Mensch im Konflikt
zwischen Wille und Trieb
Der Vergleich mit der Natur
zeigt uns, wie stark dort das Prinzip der Konsequenz wirkt. Ein
Kern des Problems, das Menschen mit dem Prinzip der Konsequenz
haben, bleibt dabei jedoch unberücksichtigt. In der Natur
folgen alle Tiere ihrem Trieb. In uns Menschen vereinen sich
jedoch Trieb und Wille als Kräfte des Körpers und der
Seele. Wenn wir über Konsequenz sprechen, müssen wir
deshalb diese Dualität von Körper und Seele berücksichtigen.
Im Gegensatz zu Tieren hinterfragen wir unser Tun und richten
es nach einem zuvor ausgeprägten Wertesystem aus. Umso schwieriger
ist konsequentes Handeln - im privaten Bereich wie im Unternehmen
- , wenn wir uns nicht bewusst machen, nach welchen Werten wir
leben wollen und welche ethische Grundlage für unser Handeln
gelten soll. Die Basis für konsequentes Handeln ist die
Definition der persönlichen Lebensphilosophie als Sammlung
der Werte, die wir anstreben und nach denen wir leben möchten.
Ebenso ist die Definition von Werten die Grundlage eines jeden
Unternehmens. Fehlen diese Werte, so fehlt die Orientierung.
Existieren diese Werte, so kann konsequent gehandelt werten,
weil damit eine Richtlinie vorgegeben ist.
Disziplin als Lösung
Im persönlichen Bereich
wissen wir alle wie sehr unser Trieb (Trägheit, Bequemlichkeit)
und unser Wille (Fitness, gutes Aussehen) ständig in Konflikt
geraten. Und wir wissen auch, wie die Lösung heißt:
Disziplin.
Disziplin ist der Sieg
des Willens über unseren Trieb. Sobald wir anfangen, einen
höheren Sinn für unser Leben zu definieren, können
wir meist auch leichter diszipliniert und konsequent unsere Ziele
verfolgen. Der Wert Disziplin wurde daher in allen Hochkulturen
für sehr wichtig angesehen. In unserem derzeitigen materiell
und hedonistisch geprägten Wertesystem der unbedingten Individualisierung
wird dieser Wert zunehmend als altmodisch und nicht zeitgemäß
eingestuft. Auch wird Disziplin fälschlicherweise als typisch
deutsche Tugend in Bezug auf unsere "dunkle" Vergangenheit
eingestuft. Nicht Disziplin als wichtige Tugend führte in
die Katastrophe, sondern das menschenverachtende und unethische
Wertesystem dahinter. Disziplin bedeutet lediglich konform zu
den eigenen Werte zu handeln. Diese Fähigkeit bleibt ein
entscheidender Erfolgsfaktor - persönlich, unternehmerisch
und gesellschaftlich. Gelebte Disziplin muss jedoch ebenso trainiert
werden wie die Ausdauer unseres Körpers. Da der Charakter
eines Menschen immer auch am authentischen Verhalten hinsichtlich
guter Werte gemessen wird, wird Disziplin eine wichtige Disziplin
bleiben.
Konsequente Vorbilder
Immer, wenn es um Vorbilder
geht, sind sich die meisten Menschen einig, wie wichtig diese
sind. Vorbilder zeichnen sich durch wertvolles Handeln aus -
sie handeln gemäß ihrer Werte. Führungspersönlichkeiten
sind immer Vorbilder. Sie haben für sich ein Wertesystem
definiert und leben danach. Wir empfinden Menschen als Persönlichkeiten,
die trotz widriger Umstände konsequent ihren Werten treu
bleiben. Leider sind wir jedoch von vielen Beispielen inkonsequenten
Verhaltens umgeben. Die Politiker ändern ihre politische
Richtlinie abhängig vom Stimmungsbarometer, Unternehmen
sprechen von notwendigen Entlassungen, obwohl sie gute Gewinne,
die Ziele in den Unternehmenseinheiten wechseln mit jedem neuen
Abteilungsleiter und Kunden werden als lästig empfunden,
obwohl die Firmenphilosophie von ihnen als wichtigstem Gut für
den Erfolg spricht.
Konsequente Unternehmensführung
Ein Blick auf wirklich
erfolgreiche mittelständische Unternehmen ist verblüffend.
Bei ganz unterschiedlichen Unternehmensgrößen, in
ganz unterschiedlichen Branchen ist eines bei guten Unternehmen
immer gleich: Die Konsequenz der Umsetzung. Was heißt das?
Konsequenz kann sich in vielen Dingen ausdrücken.
Hier einige Beispiele:
- Nehmen Sie sich nicht
nur vor, mehr Kreativität in Ihrem Unternehmen zuzulassen.
Halten Sie regelmäßige Workshops dazu ab.
- Fordern Sie von Ihren
Mitarbeitern nicht einfach, innovativ zu sein. Erstellen Sie
als Vorlage ein Ideenblatt und stellen Sie es Ihren Mitarbeitern
zur Verfügung, zusammen mit einer Erklärung, wann es
wie einzusetzen ist. Und vor allem: Geben Sie konsequent Feedback.
- Sie meinen, Sie haben
eine Vision für Ihr Unternehmen? Ist diese schriftlicht
festgehalten? Haben Sie die Vision Ihren Führungskräften
und Mitarbeitern zur Verfügung gestellt? Werben Sie dafür
- regelmäßig?
- Welches sind die Regeln
in Ihrer Unternehmenskultur? Und wie konsequent achten Sie auf
die Einhaltung dieser Regeln?
Erfolgreiche Unternehmen
schaffen es, Ideen und Projekte, die sie für gut und richtig
erkannt haben, auch wirklich umzusetzen. Aber warum fällt
es so schwer, konsequent zu sein? Es ist selten angenehm, konsequent
zu sein. Wir müssen uns körperlich oder geistig anstrengen,
Konflikte aushalten und auf angenehme Alternativen verzichten.
All das macht wenig Spaß. Das Trägheitsmoment in unserem
eigenen Charakter wird uns häufig zum Verhängnis.
Konsequenz erfordert
Tapferkeit
Konsequenz ist enorm wichtig
für die Führung eines jeden Unternehmens. Sie beruht
auf der Kardinaltugend Tapferkeit, da es selten leicht ist, konsequent
zu sein. Die Tapferkeit ist in den letzten Jahrhunderten leider
viel zu sehr von der militärischen Sprache vereinnahmt worden.
Und doch hat Tapferkeit viel mit konsequentem Verhalten, mit
Disziplin, vertrauenswürdigem, verlässlichem Handeln
und Charakterstärke zu tun. Wer heute eine Vision für
sein Unternehmen entwickelt, ist tapfer. Wer den Mut hat, neben
die materiellen Werte auch ethische Werte zu stellen, ist tapfer.
Wer sich in schwierigen Situationen vorbildlich verhält
und beispielsweise an dem für ihn wichtigen Wert der Ehrlichkeit
festhält, ist tapfer. Und auch derjenige, der gegen die
konservativen Kräfte im Unternehmen neue Prozesse oder Strukturen
einführt, zeigt ein konsequentes und tapferes Verhalten.
So wie der Skipper auf
einem Segelschiff konsequent sein muss, wenn er eine Kursabweichung
auf dem Kompass feststellt und das Ruder bewegt, so muss auch
ein Unternehmer den Kurs halten, beziehungsweise auf Kursabweichungen
reagieren und handeln - und das möglichst konsequent. So
erreicht das Schiff den sicheren Hafen und ein Unternehmen seine
Ziele.
* Der Autor, Dr. Dr. Cay
von Fournier, ist Arzt und Unternehmer und Inhaber des vor 20
Jahren gegründeten SchmidtCollegs. www.schmidtcolleg.de |