Kunden überraschen,
verblüffen und begeistern
von Ralf R. Strupat
Sprichwörtlich gleicht
ein Ei dem anderen. Stellen Sie sich 30 gleich große Eier
vor. 29 davon weiß und eines, das bunt wie ein Regenbogen
aus der Menge heraus leuchtet. Nach welchem Ei wird wohl zuerst
geschaut? Welches wird heraus genommen? Berührt? An welches
erinnert man sich später? Natürlich an das bunte!
Auch Ihr Unternehmen kann
ein solches buntes Ei werden. Indem Sie Kunden überraschen,
verblüffen und begeistern, indem Sie sich anders als alle
anderen präsentieren, indem Sie die Momente der Wahrheit
erkennen und für Ihre Kunden unvergleichliche Momente der
Begeisterung schaffen.
Die derzeitige wirtschaftliche
Lage führt in vielen Unternehmen zu enormen Umsatzeinbußen.
Selbst den treuesten Stammkunden sitzt das Geld nicht mehr so
locker in der Tasche und es wird immer schwieriger, neue Kunden
zu begeistern. Produkte, Qualität oder Service-Leistungen
werden immer ähnlicher. Will ein Unternehmen seine Kunden
begeistern, muss es Maßnahmen entwickeln, die kreativer,
fröhlicher, interessanter sind als die bekannten.
Den Faszinationsgrad
erhöhen
Wir leiden unter dem Gleichheitssyndrom:
Alles ist ähnlich und damit auch austauschbar. Wer als Unternehmen
nicht wie jedes andere sein will, der muss mehr bieten
,
anders sein...! Wer die Zukunft nicht nur in den Griff bekommen,
sondern glücklich gestalten will, der muss:
- satte Verbraucher hungrig
machen,
- systematisch am Feinheitsgrad
(Strategie, Qualität, etc.) seines Unternehmens arbeiten,
- den Faszinationsgrad seines
Unternehmens steigern.
Denn wohlstandsgesättigte
Menschen, die nur kaufen möchten und nicht kaufen müssen,
wollen fasziniert sein, ja begeistert werden von einer Sache.
Satte Menschen brauchen besondere Reize.
Ein buntes Ei blitzt
aus den Reihen
Aber wie wird man ein buntes
Ei in der Wahrnehmung des Kunden? Wir müssen Kunden überraschen,
verblüffen und begeistern. Warum reichen eigentlich zufriedene
Kunden nicht aus? Weil Kundenzufriedenheit bedeutet, der Kunde
bekommt das was er erwartet - nicht weniger aber auch nicht mehr!
Zufrieden kann er bestimmt auch woanders sein.
Der Grad der Treue hängt
davon ab, wie glücklich man mit dem Anbieter ist, wie viel
man der Beziehung beimisst, ob man einem weiteren Nebenbuhler
Aufmerksamkeit schenkt und wenn ja, wie groß der Unterschied
zwischen beiden ist. Klingt fast so wie im richtigen Leben -
nicht wahr? Aber begeisterte Kunden sind die, die aus tiefer
Überzeugung bei Ihnen kaufen. Das ist genau das, was Kunden
zu Fans macht.
Menschliche Kontakte,
die begeistern
Ob Unternehmer und Mitarbeiter
ihre Kunden kennen und ob sie das vorhandene Wissen über
ihre Kunden nutzen, entscheidet letztendlich, ob die Kunden nur
zufrieden oder begeistert sind. Entscheidend für den Zufriedenheitsstatus
eines Kunden sind die so genannten "Momente der Wahrheit".
Momente der Wahrheit sind die Kontakte zwischen Kunden und Menschen
in einem Unternehmen. Um diese Momente aktiv und bewusst zu gestalten,
müssen sie zunächst wahrgenommen und im Sinne des Kundennutzens
fortwährend verbessert werden. Kunden, Mitarbeiter und Unternehmer
haben ganz unterschiedliche Perspektiven und Wahrnehmungen. Mitarbeiter
erleben die tägliche Routine von Abläufen und Handlungen
und empfinden sie logischerweise als sinnvoll. Der Kunde hingegen
erlebt die Abläufe nicht als Kontinuität. Er nimmt
nur kurze Eindrücke wahr. Aus den Mosaiksteinchen zahlreicher
solcher Momentaufnahmen setzt sich das Gefühl von Zufriedenheit
oder Unzufriedenheit zusammen. Die wichtigsten Momente der Wahrheit
sind:
1. Der erste Eindruck
Der erste Eindruck zählt
nicht nur bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch bei jedem
Kontakt mit einem Unternehmen gewinnen Kunden Eindrücke.
Hat der Kunde einen guten Eindruck vom Unternehmen, wird er ihm
mit einer positiven Haltung begegnen. Oft entscheidet der erste
Eindruck darüber, ob der Kunde kauft oder einen Auftrag
vergibt - oder eben nicht. Zu diesem Zeitpunkt hat der Kunde
noch mit keinem Mitarbeiter gesprochen und doch ist schon Entscheidendes
im Kopf passiert.
Der erste Eindruck von einem Unternehmen entsteht auf sehr unterschiedliche
Art und Weise: Briefe mit Angeboten flattern in den Briefkasten,
Anzeigen werden gelesen, durch Mundpropaganda bekommt man dies
und das zu hören. Ein Blick ins Schaufenster oder den Eingangsbereich,
ein Anruf oder der Internetauftritt tragen dazu bei.
Haben Sie schon einmal
im Flugzeug das Tablett von der Rückenlehne des Vordersitzes
heruntergeklappt und Kaffeeflecken entdeckt? Unbewusst stellt
sich die Frage, wie die Fluggesellschaft wohl die Bereiche wartet,
die nicht zu sehen sind, zum Beispiel die Bordküche? Oder
sogar die Triebwerke?
Diese Denkweise liegt in
der Natur des Menschen. Nun, Kunden sind Menschen mit eben dieser
Natur. Wenn sie Bierflaschen auf dem Parkplatz, eine defekte
Außenwerbung oder klemmende Türen bemerken, entsteht
eine gewisse Vorstellung darüber, wie wohl die Bereiche
sein werden, die sie nicht sehen können, wie zuverlässig
die Zusammenarbeit sein wird. Wer schon vor dem Betreten des
Unternehmens einen negativen Eindruck bekommt, wird kaum Kunde
werden! Ob Sie Ihrem Kunden also ein Angebot senden, eine Anzeige
schalten, Flyer verteilen oder mit dem Kunden am Telefon sprechen:
alles ist Dialog. Und dieser Dialog entscheidet, ob ein potentieller
Kunde auch dauerhaft zum Kunden wird.
2. Die Begrüßung
Sie ist der erste persönliche
Kontakt und ihre wichtigste Aufgabe ist es, in Sekundenschnelle
Kontakt mit völlig fremden Menschen herzustellen. Nutzen
Sie diese beste Möglichkeit, Kunden zu begeistern.
Begrüßen Sie
Ihren Kunden angenehm auffallend anders als alle anderen? Unterscheiden
Sie sich von dem Geschäft am Ort? Welche Begrüßungsformel
Sie auch immer wählen, haben Sie Mut zur Andersartigkeit.
Wenn Sie keine sich automatisch öffnenden Türen haben,
dann öffnen Sie vielleicht dem Kunden die Tür. In amerikanischen
Kaufhäusern finden Sie heute noch den Doorboy, dessen einzige
Aufgabe es ist, den Kunden die Tür zu öffnen und sie
verbindlich und freundlich willkommen zu heißen. Genauso
wie der Greeter in England.
3. Die Beratung
Experten zeichnen sich
durch eine gute Beratung aus. Leider mit abnehmender Tendenz.
Dagegen werden die "Bestell-Annehmer" oder "Aushändigungsverkäufer"
täglich mehr. Bloße Anwesenheit reicht nicht aus.
Voraussetzung für eine gute Beratung sind Fachkenntnisse.
Gezielte Fragen zur Bedarfsermittlung
sind Voraussetzung für eine gute Beratung. Trainieren Sie
Fragetechniken. Erforschen Sie die Kunden-Motive. Eine gute Beratung
begeistert, sie weckt Neugier. Sprache und Körpersprache
sind dabei aufeinander abgestimmt. Zelebrieren Sie mit Hingabe
die Produktvorführung bzw. Ihr Dienstleistungsangebot. Je
besser der Kundenkontakt, umso besser beugen Sie dem Beratungsdiebstahl
vor: Sie beraten und planen - und dann kauft der Kunde mit Ihren
Angaben im Discounter.
4. Der Verkauf
Exzellentes Verkaufen beginnt
mit dem Erkennen von Kundenwünschen, den unterschiedlichen
Bedürfnissen. Sie müssen sich klar darüber sein,
was die Kunden wollen, was die Kunden brauchen, was die Kunden
denken, wann die Kunden zufrieden sind, wann die Kunden begeistert
sind und ob die Kunden wie-derkommen werden. Achten Sie auf das
Alter der Kunden, die Art der Kleidung, die verbalen Fähigkeiten,
das Verhalten. Ein-fühlungsvermögen bedeutet, zu verstehen,
worum es über-haupt geht. Die zentrale Frage lautet: "Wenn
ich der Kunde wäre, was würde ich wollen?"
Hartnäckig hält
sich das Vorurteil, dass ein guter Verkäufer jemand ist,
der viel redet. Das Gegenteil ist der Fall - ein guter Verkäufer
kann gut zuhören! Nur wer gut zuhört, versteht seine
Kunden und erfährt durch seine Fragen, was er wissen muss,
um dem Kunden das zu bieten, was der sich wünscht. Durch
gute Fragen können Sie das Gespräch steuern und Gefühle
wecken.
5. Die Verabschiedung
Nach dem eigentlichen Kauf
können Sie einen guten letzten Eindruck machen und Ihren
Kunden noch ein "Sahnehäubchen" bieten. Nutzen
Sie diese Chance. Sprechen Sie Kunden, die mit Kunden- oder Kreditkarte
bezahlen, mit dem Namen an. Das ist persönlich und unverwechselbar.
Sie schaffen ein Stück Beziehung. Nehmen Sie sich die Zeit,
den Namen zu registrieren und zu nutzen. Es lohnt sich.
Ein weiteres Sahnehäubchen
setzen Sie z. B., wenn Sie sich als Ansprechpartner für
weitere Anliegen des Kunden empfehlen. Zusätzlich können
Sie den Kunden bis zur Tür begleiten und dort herzlich verabschieden.
6. Und dann?
Lassen Sie Ihren Kunden
nicht verwelken! Wie eine grüne Topfpflanze, die nicht gegossen
wird. Viele Geschäfte legen große Anstrengungen an
den Tag, um zu verkaufen. Aber kaum ist der Kunde aus dem Geschäft,
wird Kundenpflege klein geschrieben. Was machen Sie mit Ihren
Kunden? Zeigen Sie Ihrem Kunden mit einem Anruf und einer gezielten
Nachfrage, dass Sie sich aktiv und persönlich für ihn
interessieren? Verkaufsprofis wissen: "der eigentliche Verkauf
beginnt erst nach dem Verkauf".
Mensch-Erlebnis
geht vor Material-Erlebnis
Unternehmen scheitern meist
nicht an den großen, sondern an den kleinen Dingen. Wir
müssen wieder Weltmeister in Kleinigkeiten werden - in den
vielen kleinen Ahhs und Ohhs. Gelingen kann dies nur mit den
richtigen Menschen, dem richtigen Mitarbeiter an der richtigen
Stelle, und zwar an jeder Stelle im Unternehmen.
Alles ist kopierbar - Produkte,
Verfahren, Qualitätszusagen oder Service-Ideen. Und Unternehmen
merken meist sehr schnell, wenn sie außergewöhnlich
erfolgreich sind, nämlich daran, dass der Wettbewerb schneller
als vermutet, alles Gute kopiert. Alles ist kopierbar - nur Menschen
sind es nicht. Deswegen gilt die Regel: Mensch-Erlebnis geht
vor Material-Erlebnis. Menschen in Unternehmen müssen das
Herz der Kunden gewinnen und so die Momente der Wahrheit für
jeden Einzelnen unvergleichlich machen.
Einzelne Rädchen
im Unternehmen müssen ineinander greifen
In jedem Unternehmen gibt
es viele verschiedene Bereiche - Einkauf, Verkauf, Buchhaltung,
Produktion usw. Allerdings arbeiten die einzelnen Bereiche oft
nicht wie das Mahlwerk einer Mühle, in dem ein Rädchen
in das andere greift. Isoliert voneinander kann keine ganzheitliche
KundenBegeisterung intern gelebt und nach außen getragen
werden. Unternehmen brauchen Leitlinien, die täglich umgesetzt
werden. Folgende Tipps helfen bei der Erstellung eines solchen
Leitbilds zur KundenBegeisterung:
- Auf allen Hierarchie-Ebenen
ist die Bedeutung "ein Rädchen" des Ganzen zu
sein, bekannt und wird entsprechend gelebt.
- Es herrscht ein gutes
Teamklima, auch zwischen den einzelnen Abteilungen.
- Der Empfang und die Verabschiedung
von Kunden sind klar geregelt.
- Die Mitarbeiter kennen
sich in den Regeln des "Smalltalks" gut aus und meiden
ungeschickte Formulierungen.
- Kunden werden 1 - 2 x
im Jahr befragt.
- Mitarbeiter werden 1 x
im Jahr befragt.
- Es gibt regelmäßige
Besprechungen, u.a. zum Thema KundenBegeisterung.
- Die richtige Einarbeitung
(und Überprüfung) von neuen Mitarbeitern in Sachen
KundenBegeisterung ist sichergestellt.
- Beratung und Information
am Kunden werden regelmäßig trainiert.
- Die besten Parkplätze
vor der Tür sind nicht durch die Geschäftsleitung oder
Mitarbeiter belegt.
In einer Mühle greifen
alle Räder - vom Wasserrad bis zum Mahlstein ineinander.
Nur so wird das Korn zum Mehl. Nicht anders funktioniert das
Räderwerk eines Unternehmens. Durch das Zusammenspiel aller
Kräfte entsteht ein Sog - ein "Kunden-Sog", der
bestehende und neue Kunden anzieht.
Die Beziehung Mitarbeiter
- Kunde eröffnet viele Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung
einer dauerhaften Kundenbindung und Neukundengewinnung. Prüfen
Sie Ihre Dienstleistungsqualität jeden Tag, die persönliche
Dienstleistungskultur sichert Ihren Erfolg.
Der Autor dieses Artikels
leitet eine Full-Service-Agentur für Kundenbegeisterung
www.begeisterung.de. |