Schwere Defizite bei Arzneimittelinfos im Netz

15.01.03 - pte - - Eine Heidelberger Studie stellt Informationen über Arzneimittel im Netz ein schlechtes Zeugnis aus. Bei der Analyse und Bewertung zufällig ausgewählter englischsprachiger Homepages zeigte sich, dass weniger als ein Viertel der Internetpräsentationen ausreichende und zuverlässige Informationen boten. Homepages, deren Betreiber kein kommerzielles Interesse hatten, schnitten deutlich besser ab. Diese sollten deshalb auch von Internet-Nutzern bevorzugt werden.

In der Studie wurde von der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg als Beispiel insgesamt 208 Websites zum Arzneimittel Johanniskraut untersucht, da die Anwendung gegen Depressionen ohne bestimmte Informationen zu Komplikationen führen kann. "Johanniskraut beschleunigt den Abbau bestimmter Arzneimittel und kann dadurch ihre Konzentration und damit ihre Wirkung vermindern. Zum Beispiel kann es bei transplantierten Patienten, die das Medikament Ciclosporin einnehmen, zu Transplantat- abstoßungen kommen", erklärte Meret Martin-Facklam von der Uniklinik Heidelberg.

Bei ihrer Analyse überprüften sie u.a. die inhaltliche Qualität, d.h., ob die korrekte Anwendung für Johanniskraut (Depression) und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, z.B. orale Verhütungsmittel, und deren Konsequenzen erwähnt wurden. "Nur 22 Prozent der Websites gaben an, dass die einzige wissenschaftlich belegte Indikation für Johanniskraut die Depression ist", sagte Martin-Facklam. "Ebenfalls 22 Prozent erwähnten wenigstens eine Wechselwirkung, nur zwei Seiten haben eine praktisch vollständige Liste der möglichen Wechselwirkungen aufgelistet."

Für Naturheilmittel wie Johanniskraut, die nicht verschreibungspflichtig sind und in anderen Ländern sogar unmittelbar über die Website angefordert werden können, ist laut Martin-Facklam eine korrekte und umfassende Information notwendig. Denn hier werde die Anwendung meist nicht mehr mit dem Arzt oder Apotheker besprochen. "Ob diese negative Beurteilung auch für andere Arzneimittel zutrifft, wissen wir noch nicht", schränkt Walter Haefeli das Ergebnis der Studie ein. In einer zweiten Studie wird nun die Arzneimittelinformation zu dem verschreibungspflichtigen Potenzmittel Viagra untersucht. Erste Ergebnisse legen nahe, dass auch hier die Qualität der Information zu wünschen übrig lässt.