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Steuerreform nicht konterkarieren
06.10.06 - - Staat,
Wirtschaft und Wissenschaft sind sich weitgehend einig: Ohne
ausländische Investitionen sinkt die Wirtschaftsleistung
und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Ein entscheidendes Argument
für Investoren ist die Steuerbelastung. Hier hat Deutschland
bereits vor Jahren den Anschluß verloren und hinkt fast
allen europaischen Nachbarn hinterher. Während Länder
wie Österreich oder die Niederlande ein klar strukturiertes
und logisches Steuersystem mit niedrigen Sätzen für
Unternehmen einführten, hat Deutschland eine Reform nur
theoretisch und erst ab 2008 geplant. Also viel zu spät,
denn mittlerweile werden die osteuropäischen EU- Staaten
durch niedrigere Lohnkosten und niedrige Steuern immer attraktiver
und vor allem ist die Steuerreform nur theoretisch mit einer
Senkung der Steuern verbunden. Denn das deutsche Zauberwort ist
"Gegenfinanzierung".
Damit die Senkung der Nominalsätze
nicht zu einer tatsächlichen bzw. nur einer marginalen Steuerentlastung
führt, sollen zukünftig Zinsen, Mieten, Pachten, Leasingraten
und Lizenzgebühren besteuert werden. Damit wird nicht mehr
nur der Gewinn sondern nun auch Finanzierungskosten der Steuer
unterworfen. Damit werden die günstigeren Steuersätze,
die aber selbst dann nicht günstiger sind als in den Nachbarländern,
konterkariert. Und für potentielle Investioren wird die
zukünftige Besteuerung durch diesen Bruch der Systematik
unkalkulierbar.
Warum sollte dann ein ausländischer
Investor Deutschland als Standort wählen, wenn direkt in
der Nachbarschaft gleiche, wenn nicht günstigere Besteuerungsgrundlagen
auf einer verlässlichen Basis gewährt werden? Außerdem
ist Deutschland bei anhaltend niedrigen Wachstumsraten keine
prosperierende Marktwirtschaft mehr, während andere Länder
wesentlich stärker wachsen. Warum also in einen schwachen
Markt investieren? Nach der berühmten Börsenregel "Greife
niemals in ein fallendes Messer" machen bereits die meisten
Investoren (auch deutsche, insbesondere die Konzerne) bei Neuinvestitionen
einen weiten Bogen um die Bundesrepublik.
Eine mutige Steuerreform wie
sie schon vor längerer Zeit von Österreich realisiert
wurde hätte das Ruder noch herumreißen können.
Bliebe es allerdings beim 1.1.2008 und den geplanten Gegenfinanzierungsmaßnahmen
würde dies keinerlei Anreiz für Investoren bedeuten
und ein positiver Arbeitsplatzeffekt wäre illusorisch. Eine
Fehlentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt wäre auch nicht
mehr zu korrigieren, da Investitionsentscheidungen grundsätzlich
langfristig fallen und einem bestimmten Trend folgen. Hat man
erst einmal die erste Fabrik in Osteuropa gebaut, wird man auch
weitere dort errichten.
Entscheidend ist also ein
klares Signal - Jetzt! |