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Mittelmass darf nicht Mass
aller Dinge werden
VDI-Präsident Prof. Hubertus
Christ meint, dass
Deutschland seine Zukunftschancen verspiele, wenn man nicht
schleunigst in den internationalen Spitzenbereich der
Technologieförderung zurückstoße. Verglichen
mit anderen OECD-Ländern befände sich Deutschland bei
öffentlichen Forschungsausgaben in Höhe von 2,5 Prozent
des Bruttosozialprodukts lediglich auf Platz sieben. In Schweden
investierte der Staat 30 Prozent mehr, die USA legte um 25 Prozent
zu. "Deutschland ist nach wie vor ein großartiges
Land mit großartigen Chancen. Aber der wirtschaftspolitische
Handlungsspielraum stranguliert die Unternehmen so, dass sie
diese Vorteile nicht ausspielen können. Wir dürfen
nicht in Selbstzufriedenheit erstarren, sondern müssen uns
ranhalten, damit wir den Anschluss nicht verpassen", mahnt
Christ angesichts dieser Situation.
Der Mangel an Ingenieuren
lege dem Fortschritt zusätzliche Fesseln an, so Christ.
"20.000 fehlende Ingenieure pro Jahr sind zu viel. Diese
Lücke bringt den Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr.
Wenige Ingenieure bedeuten wenig Fortschritt - und das hat verheerende
Folgen für Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenzahlen, Staatsverschuldung
und Inflation." Ausländische Fachkräfte deshalb
nach Deutschland zu holen, sei das Eine. Das Andere sei, die
Gründe abzustellen, die jährlich tausende von Menschen
veranlassen, aus Deutschland wegzugehen. Die Rahmenbedingungen
für Menschen mit Ambitionen müssten laut Christ deutlich
verbessert werden. "Das Mittelmaß darf nicht das Maß
aller Dinge werden".
Von hoher Wichtigkeit sei
zudem, den Anteil natur- und ingenieurwissenschaftlicher Absolventen
zu erhöhen. Im OECD- Vergleich befände sich Deutschland
hierbei lediglich auf Rang zehn. In vielen Schlüsseltechnologien
liegen deutsche Unternehmen dagegen weit vorne. Christ weist
hier auf die Mikrosystem- und die Nanotechnik hin, in denen Deutschland
gemeinsam mit wenigen anderen Ländern weltweit führend
sei. Auch in den Optischen Technologien hätten deutsche
Firmen einen Weltmarktanteil von 25 Prozent, im Bereich der Industrielaser
sogar von 38 Prozent. Und der Photonik-Markt biete enorme Wachstumspotenziale:
Der weltweite Umsatz von heute 80 Milliarden Euro soll in den
nächsten zehn Jahren auf 500 bis 800 Milliarden Euro anwachsen.
Um die führende Rolle
Deutschlands zu behaupten, müsse sich nach den Vorstellungen
Christs einiges ändern. Verschiedene politische Hemmnisse
machen die Entwicklung und Durchsetzung mancher Technologien
denkbar schwer. Zum Transrapid sagte Christ: "Der deutsche
Bundeskanzler muss nach China reisen, um deutsche Technik in
Betrieb zu sehen. Ein Trauerspiel in Deutschland. Ein Trauerspiel
für Deutschland." Doch auch andere Forschungsgebiete
seien durch politische Entscheidungen stark eingeschränkt,
wie etwa die Kerntechnik. Natürlich, so Christ, müsse
man politische Entscheidungen, bestimmte Technologien nicht anwenden
zu wollen, respektieren, aber die Forschung darf nicht behindert
werden. "Wir stehen dem Gesetzgeben jederzeit gerne mit
Rat und Tat zur Seite, um über Sinn und Folgen von Forschungseinschränkungen
zu diskutieren." |