Produktivitätsschub
in Dienstleistungsberufen nötig
Wissensrevolution entscheidend
für Wettbewerbsfähigkeit
In allen EU-Ländern liefert
der Dienstleistungssektor mittlerweile den größten
Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Länder wie Schweden, Dänemark,
Norwegen und Finnland kommen einem vom Institut für
Arbeit und Technik (IAT) durchgeführten
EU-Forschungsprojekt zufolge sogar auf höhere Dienstleistungs-
Beschäftigungs- wachstumsraten als die USA. Steffen Lehndorff,
Arbeitsmarkt- experte vom IAT, kommt angesichts des europäischen
Vergleichs zu dem Schluss, dass für den weiteren Dienstleistungswachstum
nicht die so genannten einfachen Dienstleistungen entscheidend
sind: Neben IT-Dienstleistungen im Industrie- und Finanzbereich
haben sich vor allem hochwertige Dienstleistungen im Erziehungswesen,
der Altenpflege und in der Kinderbetreuung als wahre Jobmotoren
erwiesen". Deutschland habe in den angesprochenen Bereichen
noch Defizite, so Lehndorff weiter. Die Nachfrage nach hochwertigen
sozialen Dienstleistungen sei aber in jedem Fall gegeben. Daher
müsse in Zukunft verstärkt in eine verbesserte Schul-
und Berufsausbildung investiert werden, so der Experte: Qualifikation
lautet das Stichwort für die Dienstleistungs- gesellschaft
von morgen."
Ähnlich sieht es auch
der Zukunftsforscher Matthias Horx: Die menschenleere Fabrik benötigt nicht
nur Putzfrauen, die sie in der Nacht reinigen, oder mehr Sicherheitsdienste.
Sie verlangt nach einer ausgefuchsten Logistik: Techniker, Prozessingenieure,
Software-Leute und Service-Provider. Die Zulieferersysteme, just
in time, müssen von schlauesten Logistikern im ganzen Lande
betrieben werden, die für ihre Lieferkaskaden ständig
neue Leistungen nachfragen." Deutschland habe in diesem
Sektor allerdings den Anschluss verloren. Die gesamte Gesellschaft
- Steuersysteme, Wertsysteme, Zeitrhythmen, soziale Hierarchien
- wird immer noch nach großindustriellen Maßstäben
getaktet in einer Welt der Lohnabhängigen", kritisiert
Horx.
Nach einem Marktreport des
Stuttgarter IT-Dienstleisters Nextiraone seien die Herausforderungen
der postindustriellen Gesellschaft von Politik, Wirtschaft und
Verbänden noch nicht richtig erkannt worden. Die postindustrielle
Ära, in der wir uns nun schon seit mindestens zwei Jahrzehnten
befinden, erfordert ganz andere berufliche Fähigkeiten als
im Zeitalter der Industrialisierung: Wissensmanagement, lebenslanges
Lernen, kommunikative Kompetenz, Kundenfreundlichkeit und Sprachkenntnisse.
Wir brauchen für die Dienstleistungsberufe eine Produktivitäts-
revolution durch klügeres Arbeiten, so die Analyse
von Nextiraone-Geschäftsführer Helmut Reisinger.
In der Güterproduktion
sei klügeres Arbeiten nur einer von mehreren Schlüsseln
höherer Produktivität, für die Dienstleistungs-
gesellschaft der einzige. Intellektuelles Kapital sei heute der
entscheidende Wirtschaftsfaktor.
Ohne eine echte Wissensrevolution
in Unternehmen, Schulen, Universitäten und Behörden
verlieren wir unsere Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.
Um sich in Arbeit zu halten, helfen dann nur noch Lohnsenkungen
und Wohlstandsverluste allerdings mit unabsehbaren Folgen
für den Zusammenhalt der Gesellschaft, warnt Reisinger.
Forscher, Hochschullehrer oder Ingenieure müssten vor allen
Dingen gute Unternehmer des Durchsetzens ihres Wissens sein.
Die unternehmerische Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses
sei ein unverzichtbarer Katalysator für die Kopplung von
Wirtschaft und Wissenschaft. Die traditionelle Konzeption
von Schulen und Hochschulen reicht nicht mehr aus, um diese Durchsetzungsfunktion
zu leisten. Das herkömmliche Lehren und Lernen bewirkt eher
eine Erosion unternehmerischer Fähigkeiten. Wissensvermittelung
nutzt überhaupt nichts, wenn es keine Anwendung findet und
nicht zu innovativer Wertschöpfung führt, bemängelt
Reisinger. (www.ne-na.de) |