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Unterhaltung im digitalen
Heim der Zukunft
Fotos, Musik und Filme lassen
sich im Haushalt auch ohne die klassischen Medienträger
verbreiten. Ein Hausnetz wird Transportmedium für Multimedia-Inhalte
zum Beispiel mit TwonkyMedia. Auf der CeBIT präsentiert
das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme
FOKUS den Medienserver in Halle 9, Stand B36.
Wenn am Fernsehgerät
nicht nur Filme laufen, sondern auch Bilder vom letzten Urlaub
präsentiert werden, und der PC im Arbeitszimmer ein Radiokonzert
auf Festplatte mitschneidet, dann feiert die Multimediawelt einen
stillen Triumph. Denn bis heute nutzen Hörfunk und Fernsehen
ihre eigenen, inzwischen digitalen, Übertragungskanäle,
um den Endverbraucher in seinen vier Wänden zu erreichen.
Das PC-Netz begnügt sich meist mit der Telefonbuchse und
einem lokalen Netzwerk, kurz LAN. Beide Welten Broadcast
und PC bieten ihre Informationen auf unterschiedlichen
Endgeräten an. Der Brückenschlag zwischen Hifi-Anlage,
Fernseher, MP3-Player, Netzwerkfestplatte und PC setzt aber Geräte
mit standardisierter Middleware voraus.
Es gibt am Markt bereits Media
Adapter. Sie können dank des Standards Universal Plug and
Play, kurz UPnP drahtlos oder drahtgebunden Musik,
Bilder und Videos vom PC im Büro auf dem Fernseher oder
der Stereoanlage in anderen Räumen zeigen. Jeder dieser
Media Adapter nutzt eine eigene Software, um die Multimedia-Inhalte
zu organisieren. Diese Lösung ist für den Verbraucher
schwer handzuhaben, da er jedes Gerät unterschiedlich bedienen
muss.
»Um diesen Wildwuchs
zu vermeiden, entwickelten wir einen Media-Server, der eine Vielzahl
von Geräten unterschiedlicher Hersteller unterstützt«,
sagt Christian Gran, Projektleiter im Kompetenzzentrum »Smart
Environments« in Berlin. Seit Januar dieses Jahres bündelt
das Berliner Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme
FOKUS seine Aktivitäten im Bereich Multimedia und Integration
in dem neuen Kompetenzzentrum. Ziel der Forscher ist die Heim-Vernetzung
auf Basis etablierter Standards. Die Kommunikation soll zwischen
den verschiedenen Endgeräten funktionieren vom Autoradio
bis zur Set Top Box mit PC, Netzwerkplatte, Digitalkamera oder
Internetradio. »Weit verbreitete und interoperable Industriestandards
sind die Voraussetzung für die Akzeptanz beim Endverbraucher«,
betont Angela Scheller, Geschäftsführerin der TwonkyVision
GmbH, einem Spinoff-Unternehmen des Fraunhofer-Instituts.
Gemeinsam arbeiten Mitarbeiter
von FOKUS und TwonkyVision im UPnP Forum und der Digital Living
Network Alliance (DLNA), um auf Basis der dort entwickelten Standards
eine herstellerunabhängige Vernetzung zu erreichen.
UPnP ist ein viel versprechender
Ansatz für die hersteller- und geräte-unabhängige
Kommunikation zwischen unterschiedlichen Komponenten im Heimnetzwerk.
Dahinter steckt eine Netzwerk-Architektur, die ursprünglich
den PC als zentrale Schaltstelle für digitale Medieninhalte
genutzt hat. Der TwonkyMedia-Server von FOKUS und TwonkyVision
ist eine Weiterentwicklung auf Basis von UPnP. Den FOKUS-Wissenschaftlern
geht es insbesondere darum, dass verschiedene Endgeräte
auch auf verteilt gespeicherte Multimediadaten zugreifen können.
»Der Media-Server ist nicht auf den PC beschränkt«,
unterstreicht Projektleiter Gran. In Zukunft sollen auch mobile
Geräte wie MP3-Player, Digitalkameras und Handys immer mehr
Speicherplatz bieten und dadurch nicht nur als kleine, handliche
Abspielgeräte für Bilder, Videos und Musik fungieren
sondern auch als Media-Server.
Die dezentrale »Intelligenz«
der Geräte lässt auch noch andere Szenarien zu: Mit
einem Handy oder Personal Digital Assistant (PDA) können
aus der Ferne Multimedia-Daten zu Hause abgerufen werden, Musikstücke
von der heimischen Festplatte geholt oder Videorekorder per Funkanweisung
gestartet werden. Ein anderer Trend ist die »Personalisierung«
der Geräte. Beispielsweise durchsucht ein »Personal
Media Recorder« die verschiedenen Fernseh- und Rundfunkprogramme
nach vorgegebenen Kriterien, stellt das gewünschte Programm
zusammen und speichert es automatisch ab. Auch das Auto wird
mit seiner Unterhaltungselektronik in das künftige digitale
Heim mit einbezogen. Die meistgespielten Songs im Haushalt könnten
automatisch als »Top 20« im Auto zur Verfügung
stehen. Die Szenarien von FOKUS umfassen auch drahtlose Übertragung
beispielsweise vom Einfamilienhaus in die Garage: Der PC-Nutzer
stellt sich zuhause sein Musikprogramm für unterwegs zusammen
und überträgt es über Nacht auf das Gerät
im Auto.
Je mehr Speicher zur Verfügung
steht, desto schwieriger wird der gezielte Zugriff auf die abgelegten
Medien. Oft beherbergen Speicherplatten tausende von digitalen
Bildern oder Musikstücken. In dieser Datenmenge gezielt
ein bestimmtes Bild per Fernbedienung am Fernseher zu finden
ist schwer. Auch ein Musikstück auszuwählen, von dem
zwar der Titel, nicht aber der Interpret im Kopf ist, überfordert
das System. |