Das Lebenswerk
in guten Händen
von Dr. Angelika Hamann,
dta, Hamburg
(1.04.04) - - Hunderttausende
von Familienunternehmen in Deutschland stehen in den nächsten
Jahren vor dem Generationenwechsel in der Unternehmensspitze.
Nach einer Untersuchung des Institutes für Mittelstandsforschung
Bonn sind Jahr für Jahr rund 80.000 Unternehmen davon betroffen.
Jedes Jahr müssen rund 6.000 Familienbetriebe mit fast 40.000
Mitarbeitern ihr Unternehmen schließen, weil die Nachfolge
nicht geregelt ist.
Die Regelung der Nachfolge
gehört zu den wichtigsten - aber auch schwierigsten - Führungsentscheidungen
eines Unternehmers und trifft im wahrsten Sinne "mitten
ins Herz" des Familienunternehmens. Bei der Nachfolge innerhalb
der Familie geht es nicht nur um einen formalen Aspekt - meist
ist die juristische und steuerlich-betriebswirtschaftliche Seite
bestes abgeklärt - sondern gerade um Herausforderungen im
menschlichen und emotionalen Bereich.
Das kann doch in
einer Familie kein Problem sein
Gefühle und Emotionen
wirken bei der Nachfolge in ganz besonderer Weise, werden aber
oft nicht berücksichtigt. Viele Familienunternehmer wissen
nicht, wie sie die Übergabe in die nächste Generation
erfolgreich gestalten sollen und Fragen wie
"Sorgt mein Nachfolger dafür, dass ich die Früchte
meines Lebenswerk ernten kann?" oder "Kann ich mir
vorstellen, wie mein Nachfolger die Erfolge der Zukunft schmiedet,
ich mit Freude zuschaue, weil ich schon lange einen neuen Lebensinhalt
gefunden habe, der mich erfüllt?" sind unangenehm und
lästig. Statt eines klaren Konzeptes regiert das Prinzip
Hoffnung. Geschichten von Söhnen, die Vaters Firma an die
Wand fahren und damit seinen Lebenstraum zerstören: Das
trifft immer nur die anderen, bei mir wird es schon klappen.
Viele Unternehmerfamilien
haben eigene Strukturen, die sich von Unternehmensstrukturen
unterscheiden. Dies kann zu erheblichen Spannungen führen.
Im Zweifelsfalle siegt immer die Familienstruktur. Die große
Kunst, einen Generationswechsel in einem Familienunternehmen
erfolgreich zu gestalten, ist nur wenigen "heilen"
Unternehmerfamilien beschieden.
Rechtzeitiger und
kompetenter Rückzug des Seniors
Am einfachsten kann man
sich die Nachfolge im Familienunternehmen als Weitergabe und
Übernahme am Beispiel eines Staffellaufes vorstellen. Während
eines Staffellaufes ist es so, dass die Runden endlos gedreht
werden könnten. Der Erste läuft los, der als Zweiter
bestimmt ist, läuft zeitversetzt los und für eine bestimmte
Zeit läuft er neben dem Ersten her. Bei einem verabredeten
Zeichen innerhalb einer gewissen Zeit allerdings wird der Stab
von einer Hand in die andere gegeben. Und nur solange, wie es
nötig ist, bleibt der Stab in den Händen der beiden.
Im Familienunternehmen
heißt das, es wird problematisch, wenn der Seniorchef seine
Firma zwar offiziell an die nächste Generation abgegeben
hat, sich aber trotzdem nicht aus dem Chefsessel zurück
zieht. Oft ist es schwer für Unternehmer, ihr Lebenswerk
abzugeben, ohne sich noch weiterhin in die Geschäfte einzumischen.
Dadurch wird nicht nur unbewusst Druck auf den Nachfolger ausgeübt,
sondern es ist ihm auch nicht möglich, die eigenen Ideen
vollständig zu verwirklichen. In der Zwischenzeit verschaffen
sich Mitbewerber durch Innovationen einen Wettbewerbsvorteil.
Wenn wir wieder zum Bild
des Staffellaufes zurückkehren, würde es bedeuten,
dass der Erste den Stab nicht los ließe und der Zweite
ihn ebenfalls fest hält. Was passiert? Sie kommen aus dem
Rhythmus, müssen stehen bleiben, um den Stab zu übergeben.
Das kostet Zeit und Kraft und die Konkurrenz kann mühelos
überrunden - denn es wird auf mehreren Bahnen mit mehreren
Mannschaften gelaufen. Die Übergabe muss fließend
geschehen. Das heißt, der Zweite muss bereits trainiert
sein, die Übergabe muss auf ein bestimmtes Zeichen (zu einem
vereinbarten Termin) stattfinden - und der Erste muss bereit
sein, den Stab abzugeben.
Hilfe von "Außen"
Der Fortbestand des Familienunternehmens
ist also eng an die Person des Unternehmers und die frühzeitige
Einleitung seiner Nachfolge gebunden. Der Generationenwechsel
im Familienunternehmen stellt im methodischen wie im menschli-chen
Bereich hohe Anforderungen an alle Beteiligten und die Familienmitglieder.
Viele Unternehmerfamilien schaffen den erfolgreichen Generationswechsel
entweder gar nicht, oder nur mit Unterstützung eines Experten:
eines Familien-Coaches.
Der Familien-Coach begleitet
die Familie durch konfliktträchtige Veränderungsphasen.
Er tritt dabei als "Anwalt der ganzen Fa-milie" auf,
d. h. er nimmt gegenüber den individuellen Interes-sen der
Familienmitglieder eine neutrale Haltung ein. Im Fokus seiner
Aufmerksamkeit stehen zwei Themen:
- 1. Das Wohlergehen der
Familie und
- 2. Das Wohlergehen des
Unternehmens.
Damit der Familienunternehmer
am Ende des Prozesses die Ge-wissheit hat: "Ja, mein Lebenswerk
ist in guten Händen" bieten Institutionen wie z.B.
die dta Deutsche Trainer- und Führungskräfte
Akademie in Kooperation
mit der Work in Progress Gesellschaft für OrganisationsEntwicklung
rund um den Generationswechsel exklusive Beratungsleistungen
an. Diese umfassen individuelles Familien-Coaching für Unternehmerfamilien
sowie offene Seminare zu diesem Thema. |