Unternehmensübergabe
Die Krönung des Lebenswerks
von Dr. Dr. Cay
von Fournier, Schmidt Colleg, Stockheim
(9.3.03) Auch für
den erfolgreichsten Unternehmer heißt es irgendwann, Abschied
von der Geschäftsführung zu nehmen und die Verantwortung
in jüngere Hände zu legen. Oft ist dies nicht leicht
- besonders, wenn man viele Jahre das Ruder in der Hand gehalten
und das Unternehmen mit seiner Arbeit maßgeblich geprägt
hat. Trotzdem muss eine Lösung gefunden werden, die einem
Nachfolger das erfolgreiche und eigenverantwortliche Weiterführen
des Unternehmens ermöglicht und die Zukunft der Firma sichert.
Unternehmensübergabe
- ein brandaktuelles Thema: Rund 1/3 aller Betriebsinhaber in
Deutschland ist älter als 55 Jahre, durchschnittlich werden
aber nur noch etwa 40 % der Betriebe von den eigenen Kindern
übernommen. Viele Betriebe werden mangels geeigneter Nachfolger
endgültig aufgegeben. Die Situation in anderen europäischen
Ländern ist ähnlich.
Mehr als 7.000 Firmen suchen
zur Zeit über die CHANGE-Initiative einen Nachfolger. Im
vorigen Jahr wurden über 12.000 Inserate in den tagaktuellen
Datenbestand neu eingegeben und mehr als 1.300 Unternehmen konnten
über die CHANGE-Unternehmensbörse an einen Nachfolger
vermittelt werden. Die CHANGE-Initiative, eine Gemeinschaftsinitiative
des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, des Zentralverband
des Deutschen Handwerks und der Deutschen Ausgleichsbank ist
im Januar 1999 gestartet und beweist seitdem, wie groß
das Interesse auf beiden Seiten ist. Zugleich zeigt sich aber
auch, wie schwierig sich die Herausforderung, den richtigen Partner
zu finden, herausstellt. Denn sowohl für denjenigen, der
ein Unternehmen aufgebaut hat, als auch für denjenigen,
der ein bestehendes Unternehmen übernehmen will, ist es
nicht so ganz einfach, zusammen zu kommen und dann die Übergabe
bzw. Übernahme auch erfolgreich zu gestalten.
Abschied nehmen ist nicht
leicht
Wo finde ich den richtigen
Nachfolger oder die richtige Nachfolgerin? Diese Frage beschäftigt
die meisten Unternehmer bei der Vorbereitung ihrer Nachfolgeregelung.
Aber auch potenzielle Gründer stehen vor der Entscheidung:
Sollen sie ein neues Unternehmen gründen oder doch lieber
einen etablierten Betrieb übernehmen?
Der absolute Höhepunkt
eines Unternehmerlebens sollte die geplante Übergabe an
den Nachfolger sein. Denkbar in dieser Nachfolgeregelung sind
hier direkte Nachkommen, eingesetzte Geschäftsführer,
der Verkauf des Unternehmens in gute Hände, die Gründung
einer Holding, einer Aktiengesellschaft oder was auch immer.
Wichtig ist es, diesen Akt gut vorzubereiten. Es ist der verständliche
Wunsch eines Unternehmers, dass die eigenen Kinder die Nachfolge
antreten - die unternehmerische Familientratition soll in der
nächsten Generation fortgesetzt werden. Aber oft werden
gerade hier die gravierendsten Fehler gemacht. Otto von Bismarck
hat einmal gesagt: "Die erste Generation verdient das Geld,
die zweite verwaltet das Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte
und die vierte verkommt vollends." Er wollte diese Aussage
als Witz verstanden wissen, aber leider ist dies häufig
genug Realität. Gottlob gibt es aber auch viele Beispiele,
dass es nicht so sein muss.
Der Wunsch von Unternehmern,
dass die eigenen Kinder das Unternehmen einmal weiterführen,
wird durch das Verhalten des Unternehmers während seiner
aktiven Zeit der Unternehmensführung - die in der Regel
auch die Zeit ist, in der die Kinder heranwachsen - oftmals negativ
beeinflusst oder gar zerstört. Die Kinder hören häufig
nur von den täglichen Problemen, von der Schulden- und Steuerlast,
von schwierigen Kunden und vielem mehr. Derart wollen die eigenen
Nachkommen die "traurige" Welt des Unternehmertums
nicht erleben, wo doch darüber hinaus oft wenig Zeit für
Kinder, Familie, Freizeit und zur Regeneration bleibt. Der 12-
bis 14-Stunden-Tag ist für die wenigsten erstrebenswert,
auch wenn ein lukratives Unternehmen und Einkommen dahinter stehen.
Darüberhinaus gibt
es Unternehmer, die - auch wenn sie ihr Unternehmen sehr erfolgreich
geführt haben - letztendlich daran scheitern, weil sie meinen,
der Nachfolger müsste genauso sein und das Unternehmen genauso
führen wie sie selbst. Es fehlt sehr häufig am Vertrauen
in die nächste Generation. Die Folge ist, dass diese Art
von Unternehmer die Übergabe ständig mit der Begründung,
dass die Nachfolger noch nicht so weit seien, hinauszögern.
Zum Dilemma kommt es dann, wenn ein altersbedingter Starrsinn
dazu kommt - wenn der jeweilige Firmenchef nicht mehr in der
Lage ist zu erkennen, dass er all das zerstört, was er vorher
aufgebaut hat.
Die Bestandsaufnahme
Wissen Sie, wo Sie heute
stehen und welchen Weg Sie mit der Übergabe bzw. der Übernahme
des Unternehmens einschlagen wollen?
Um eine Unternehmensübertragung
professionell vorzubereiten, sollten Sie als erstes eine umfassende
Bestandsaufnahme vornehmen und auf dieser Basis Ihre Ziele formulieren.
Denn: Nur wer weiß, wohin er will, kann auch ankommen!
Ein Unternehmer, ob Gründungsunternehmer
oder Nachfolgeunternehmer, arbeitet in der Regel erfolgreich,
baut ein Unternehmen auf und hinterläßt meist mehr,
als er übernommen hat. In einem Unternehmerleben gibt es,
wie in allen anderen Bereichen des Lebens, Höhen und Tiefen.
Gute Unternehmer lernen aus Tiefen und planen und gestalten aus
dem Gelernten das nächste Hoch. Nachdem sich diese Intervalle
in einem Unternehmerleben häufig wiederholen, entstehen
daraus Lernprozesse. So wächst und gedeiht in der Regel
ein Unternehmen.
Übergabeziele definieren
Natürlich kann hier
nicht beschrieben werden, wie die absolut richtige Vorgehensweise
einer Übergabe auszusehen hat. Dieser Akt muss genauestens
geplant und besprochen werden. Die Übergabe kann nie ein
Hauruck-Akt sein, sondern muss über Jahre vorbereitet werden.
Als geeignetes Zeitfenster sind hierbei etwa 5 Jahre anzusehen.
Das Ziel der Übergabe
muss bestens ausformuliert und beschrieben werden. Dieses könnte
z. B. lauten: "Die Übergabe des Unternehmens muss die
Krönung meines Lebens sein" - aus der Perspektive gesehen,
wie ein Lebenswerk auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven
Unternehmerleben weiter gedeiht und sich entwickelt, wenn auch
unter anderen Vorzeichen und einem eventuell anderen Stil. Ja,
die Art, das Unternehmen zu führen, muss sich oft sogar
ändern. Andere Zeiten fordern eine andere Art der Führung.
Checkliste: Übergabeziele
- Der Bestand des Unternehmens
muss gesichert werden.
- Die Arbeitsplätze
dürfen nicht gefährdet sein.
- Eine angemessene Altersversorgung
muss gewährleistet sein.
- Die Familie muss ein Einkommen
haben.
- Das Familienvermögen
muss gesichert werden.
- Die Vorteile aus der Übergabe
müssen möglichst hoch sein.
- Die Nachfolgeregelung
sollte steuerlich und erbrechtlich
möglichst günstig sein.
- Die finanzielle Situation
des Nachfolgers darf nicht
überstrapaziert werden.
- Sonstige Ziele?
Gemeinsam die Übergabe
umsetzen
Die Planung der Übergabe
des Unternehmens sollte, wie schon beschrieben, so früh
wie möglich beginnen, beispielsweise mit der rechtzeitigen
Übertragung unternehmerischer Aufgaben an den Nachfolger.
Der Nachfolger sollte frühzeitig wichtige Bereiche der Unternehmensführung
übertragen bekommen, die er oder sie vollkommen selbständig
zu verantworten hat. Hier müssen dann auch einmal Fehler
gemacht werden dürfen - natürlich immer mit dem Ziel,
sie nicht zu wiederholen. Das Wichtigste aber ist das uneingeschränkte
gegenseitige Vertrauen. Ein anderer Führungsstil muss möglich
sein.
Unternehmensübergabe
heißt auch, viel miteinander zu reden, um daraus einen
klaren und eindeutigen Vertrag zu formulieren, der für beide
Seiten so gestaltet ist, dass er mit Freude erfüllt werden
kann. Bei der Ausformulierung von Verträgen solcher Tragweite
erübrigt sich fast der Hinweis, dass hier wirklich Fachleute
zu Rate gezogen werden müssen, wenngleich die Vorbereitung
der Übergabe eine Managementaufgabe allerersten Ranges ist.
Diese vorbereitenden Aufgaben sind ein permanenter Prozess. Denn
für ein gut geführtes Unternehmen wird es allemal leichter
sein, einen guten Nachfolger zu finden als für einen schlechten
Betrieb. So gesehen beginnt die Unternehmensnachfolge eigentlich
mit der Qualität des Unternehmens und seiner jeweiligen
Führung.
Die Übergabe Ihres
Unternehmens liegt vor Ihnen, vielleicht noch weit entfernt,
vielleicht aber auch schon in naher Zukunft! Beschäftigen
Sie sich auf jeden Fall frühzeitig mit dem Thema und planen
Sie ausreichend Zeit für eine sorgfältige Übergabe
Ihres Unternehmens ein.
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Checkliste für Übergeber: |
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Frühzeitig planen: |
Schieben Sie die Nachfolgeregelung
nicht auf: Sie ist Teil Ihrer unternehmerischen Tätigkeit
und mit zahlreichen steuerlichen und rechtlichen Gestaltungsfragen
verbunden. Zudem kann sich die Suche nach einem geeigneten Nachfolger
gerade im Handwerk langwierig undschwierig gestalten und Zeit
kosten. |
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Ziele festlegen: |
Formulieren Sie Ziele, die
Sie durch die Unternehmensübergabe erreichen wollen. Ziele
können zum Beispiel Ihre Altersversorgung, persönliche
Entlastung, Erweiterung des Unternehmens, Verkauf mit Gewinn
oder Erhalt des Lebenswerkes sein. |
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Übergabe- modell wählen: |
Welches Übergabemodell
kommt für Sie am ehesten in Frage? Das Unternehmen kann
zum Beispiel verkauft, verpachtet, verschenkt, übertragen
oder aufgespalten werden. |
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Steuer- gestaltung planen: |
Welche steuerlichen Konsequenzen
haben die einzelnen Übergabemodelle? (Erbschaftsteuer, Besteuerung
von Veräußerungsgewinnen etc.) |
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Zeitplan aufstellen: |
Wann wollen Sie den Betrieb
übergeben? In welchen Schritten soll die Übergabe erfolgen
in einem Schritt zu einem bestimmten Termin oder als gleitender
Übergang? |
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Nachfolger suchen: |
Klären Sie, wie der passende
Nachfolger aussehen soll, welche fachlichen und persönlich-menschlichen
Eigenschaften er haben sollte. Dies ist um so wichtiger, wenn
Sie Ihr Unternehmen verpachten oder eine Verrentungslösung
anstreben und auf den weiteren Erfolg des Unternehmens angewiesen
sind. Nutzen Sie verschiedene Wege für die Nachfolgersuche:
Betriebsnachfolge-Börsen, persönliche Kontakte, Zeitungsannoncen,
Personalberater etc. |
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Unternehmens- wert ermitteln: |
Was ist Ihr Unternehmen überhaupt
wert? Es gibt verschiedene Bewertungsverfahren: Substanzwertmethode,
Ertragswertmethode, Liquidationswert etc.. Ermitteln Sie den
Unternehmenswert zeitnah. |
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Gemeinsam zur Übergabe: |
Bleiben Sie flexibel. Entwickeln
Sie gemeinsam mit Ihrem Nachfolger ein für beide Seiten
tragbares Übergabemodell, stimmen Sie die Steuergestaltung
gemeinsam ab, und legen Sie gemeinsam den konkreten Stufenplan
für den Wechsel fest. |
Quelle: Handwerk.com
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Checkliste für Übernehmer: |
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Nachfolge oder Neugründung: |
Können Sie sich vorstellen,
auf dem Lebenswerk eines anderen aufzubauen, oder schaffen Sie
sich lieber selbst Ihr Unternehmen? |
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Übernahme- modell wählen: |
Welche Übernahmemodelle
kommen für Sie in Frage? Können und wollen Sie gegen
Einmalzahlung kaufen, sich schrittweise am Unternehmen beteiligen,
es pachten usw.? |
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Unternehmen analysieren: |
Haben Sie sich ein vollständiges
Bild vom Zustand und den Marktperspektiven des Unternehmens verschafft?
Wichtig sind nicht nur Betriebsergebnisse der Vergangenheit,
Kundenstamm, Image und Branchenentwicklung. Schätzen Sie
auch den Investitionsbedarf der vor Ihnen liegenden drei Jahre.
Machen Sie sich zudem ein Bild von den Mitarbeitern, ihrer Altersstruktur,
ihrer Qualifikation und der Bereitschaft, sich auf einen neuen
Chef einzulassen. |
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Kaufpreis: |
Wie hoch soll der Kaufpreis/die
Pacht für das Unternehmen sein? |
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Unternehmens- wert prüfen: |
Nach welcher Methode wird
der Unternehmenswert ermittelt? Sind Sonderfaktoren zu berücksichtigen?
Liegt ein Wertgutachten eines unabhängigen Sachverständigen
vor? |
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Finanzierung: |
Wie lässt sich die Übernahme
finanzieren? Haben Sie ausreichend Eigenkapital zur Verfügung?
Wer die zahlreichen günstigen öffentlichen Fördermittel
zur Finanzierung nutzen will, muss die Gelder vor der Übernahme
bei der Hausbank beantragen. Gibt es in Ihrem Bundesland eine
Meistergründungs-Prämie, die Sie beanspruchen können? |
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Vorsorge: |
Sichern Sie den Betrieb und
Ihre Familie gegen Risiken ab, die aus Unfall, Krankheit oder
auch Tod entstehen können: Prüfen Sie die Betriebsversicherungen
und Ihre private Vorsorge. Regeln Sie auch als junger
Unternehmer testamentarisch die Nachfolge. |
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Übergang: |
In welchen Schritten soll
die Übernahme erfolgen? Ist die Übergabe in einem Schritt
geplant oder als gleitender Übergang? |
Quelle: Handwerk.com
Sie erreichen den
Autor unter info@schmidtcolleg.de
und finden weitere Informationen unter www. schmidtcolleg.de. |