Die Unternehmens-Nachfolge
von Joachim Brüser

Fast 700.000 westdeutsche Unternehmen stehen derzeit zur Disposition, denn die Gründergeneration der Nachkriegszeit ist in die Jahre gekommen. Die meisten dieser Unternehmer sind heute um die 60 Jahre alt, haben nur zu einem geringen Anteil einen Nachfolger in der eigenen Familie und möchten sich in absehbarer Zeit zur Ruhe setzen. Besonders betroffen ist das Handwerk, wo in den kommenden fünf Jahren alleine in rund 200.000 Betrieben ein Generationswechsel ansteht.

Die Deutsche Ausgleichsbank schätzt nun allerdings, daß bei mindestens einem Viertel aller Betriebe die Suche nach einem geeigneten Nachfolger erfolglos bleiben wird. Die Gründe liegen darin, daß entweder ein nicht realistischer Kaufpreis angesetzt wird, keine wirtschaftlich tragfähige Existenzbasis für einen Nachfolger gegeben ist oder der jetzige Inhaber schlicht den richtigen Zeitpunkt für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger versäumt.

Zu diesen Punkten sei folgendes angemerkt: Natürlich ist jeder Unternehmer bestrebt, für den von ihm aufgebauten Betrieb einen möglichst hohen Kaufpreis zu erzielen. Aber jeder Betriebsinhaber sollte zur Ermittlung des wirklich marktfähigen Preises für seinen Betrieb unbedingt einen entsprechend erfahrenen und qualifizierten Berater hinzuziehen - oft liegen zwischen dem, was man sich als Inhaber selbst vorstellt und dem, was an Kaufpreis realistisch ist, Welten.

Hier spielen z.B. die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Wertermittlung eine große Rolle: Sprechen die Praktiker gerne vom "Substanzwert", argumentieren die gut informierten Kaufinteressenten mit dem "Ertragswert" - letztlich gilt: Es gibt auch für Unternehmen einen Markt und der Preis richtet sich auch hier nach Angebot und Nachfrage.
Ein wenig rentabler Betrieb bzw. eine ständig angespannte Liquidität wird einen Verkauf ebenfalls schwer machen. Letztlich muß ein Kaufinteressent auch seine Bank davon überzeugen, daß er einen Kaufpreis für ein wirtschaftlich tragfähiges Projekt zahlen möchte - und die Kreditinstitute beurteilen eine derartige Nachfolge ausschließlich nach den Zahlen aus den vorgelegten Bilanzen und weiteren Planungen.
Und schließlich der dritte und überflüssigste Grund, warum eine Nachfolgeregelung scheitert: Ein Inhaber eines kleineren oder mittelständischen Betriebes muß sich darüber klar sein, daß die Suche nach einem qualifizierten, kompetenten und so ganz "nebenbei" auch noch finanzkräftigen Nachfolger durchaus weit mehr als ein ganzes Jahr dauern kann. Wenn dieser Kaufinteressent dann über öffentliche Förderkredite finanziert, sind hierfür alleine wieder Monate einzuplanen. Insgesamt sollte man für die Regelung der Nachfolge zwei volle Jahre einplanen.
Leider ist es gerade der geplante Rückzug aus dem mit Mühen aufgebauten Unternehmen, dem Lebenswerk, der von unglaublich vielen Unternehmern nicht rechtzeitig geplant und umgesetzt wird. Jedes Jahr schliessen in Deutschland rund 2.000 Familienbetriebe nur deshalb, weil die Nachfolge nicht bzw. nicht eindeutig geregelt ist !

Die Regelung der Nachfolge wird nun schon einmal in Publikationen als vergleichsweise einfache, überschaubare Aufgabe dargestellt. Für einen Nachfolger sogar als risikoarme und einfache Art der Existenzgründung. Das Unternehmens-Konzept scheint erprobt, die Kunden sind vorhanden, das Personal weiß, was es zu tun hat. Die Wahrheit ist: Eine Übernahme ist insgesamt viel schwieriger als eine Neugründung. Überdurchschnittlich viele Insolvenzen treten nach Betriebsübernahmen auf !

Mittelständische Unternehmen sind in der Regel durch ihre Besitzer geprägt. Wechselt dieser, ändert sich (fast) alles im und um den Betrieb. Oft gehen gute Kunden-Kontakte des Inhabers verloren, neue müssen erst aufgebaut werden. Häufig werden am Konzept des Unternehmens viel zu schnell -oft übereilig- weitreichende Veränderungen vorgenommen.
Ist dem alten Inhaber daran gelegen, das von ihm aufgebaute Unternehmen wirklich zu sichern und die Arbeitsplätze für seine Leute zu erhalten ist er gut beraten, seinen Nachfolger eine Zeitlang zu begleiten - eine schwierige Zeit für beide Seiten.

Trotzdem gilt: Rechtzeitig begonnen und wirklich planvoll umgesetzt, lassen sich auch bei diesem letzten Schritt als aktiver Unternehmer alle Klippen umschiffen und man kann erst dadurch die Früchte seiner Arbeit ernten. Und praktisch alle denkbaren Risiken und Fehler einer derartigen Transaktion lassen sich bei einer Begleitung durch professionelle Berater ausschließen bzw. verhindern.

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H.-Joachim Brüser
Unternehmensberater CMC/BDU
Beratung zur Unternehmensentwicklung
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