Der Aufschwung kommt, aber nur für kurze Zeit
DIW Berlin stellt Sommer-Grundlinien 2002/2003 vor

9.7.02 - diw -- Die weltweite Konjunkturbelebung hat nun auch auf Deutschland übergegriffen. Der Aufschwung dürfte sich jedoch erst in den nächsten Monaten entfalten. Wegen der schwachen ersten Quartale wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in diesem Jahr nur um 0,6 % steigen. Für die Konjunkturaussichten im kommenden Jahr ist Skepsis angebracht. Wesentlich ausgeprägter als für den Euroraum insgesamt zeigen sich in Deutschland Hindernisse für eine ungebrochene Fortsetzung des Aufschwungs. Das DIW Berlin geht in seiner aktuellen Konjunkturprognose, den Sommer-Grundlinien 2002/2003, davon aus, dass sich das Expansionstempo bereits in der ersten Jahreshälfte 2003 verlangsamt und das Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt um 2,0 % wachsen wird. Die ostdeutsche Wirtschaft wächst nur um 0,5 % in diesem und um 1¾ % im kommenden Jahr. Die Wachstumsrate wird erneut niedriger als in Westdeutschland sein.

Ausgelöst wurden die konjunkturellen Impulse durch den massiven Expansionskurs der Wirtschaftspolitik in den USA, deren positive Effekte sich angesichts der außergewöhnlichen Belastungen des 11. September bemerkenswert zügig einstellten. Bei der engen Verflechtung übertragen sich diese Anstöße weltweit rasch. Die Chancen für einen nachhaltigen konjunkturellen Aufschwung in den USA stehen gut, denn im späteren Jahresverlauf werden auch die Investitionen wieder zulegen. Im Zuge des Aufschwungs dürfte die Arbeitslosigkeit wieder zurückgehen, nachdem sie binnen kurzer Zeit um 2 Prozentpunkte gestiegen war. Die gesamtwirtschaftliche Expansion wird in den USA 2,8 % in diesem und 3,3 % im nächsten Jahr betragen.

In Deutschland sollten sich die Auftriebskräfte im weiteren Verlauf dieses Jahres verstärkt durchsetzen. Vom Sommer an dürfte sich die Lockerung der Geldpolitik im Vorjahr sowohl bei den Investitionen als auch bei den Exporten in die übrigen EWU-Länder positiv bemerkbar machen. Der private Konsum wird wohl, bei höheren Tarifabschlüssen und geringem Preisanstieg, etwas stärker expandieren. Wegen des niedrigen Niveaus zu Jahresbeginn errechnet sich im Jahresdurchschnitt allerdings nur ein Zuwachs von 0,1 %. Nach dem Abklingen des Ölpreisschocks ist die Inflationsentwicklung - wie erwartet - ausgesprochen moderat gewesen. Hieran ändern auch die jüngsten Tarifabschlüsse nichts. Das DIW Berlin betont in seinen Sommer-Grundlinien, dass sich ein „Teuro-Effekt“ statistisch nicht nachweisen lässt.

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