Die Rezession ist da

22.11.01 - opm - Nach den heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen hat die Wachstumspause im 3. Quartal 2001 angehalten. Das BIP ging in kalender- und saisonbereinigter Rechnung gegenüber dem Vorquartal um real 0,1 % zurück. Banken und Experten erwarten für das vierte Quartal einen Rückgang um 0,3 % und damit ist auch technisch die Rezession da. (Rezession liegt vor, wenn in zwei aufeinander folgenden Quartalen das BIP sinkt).

Nach Meinung des Bundesfinanzministers haben insbesondere externe Faktoren zum Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivitäten beigetragen. Dazu zählen die Nachwirkungen der Energieverteuerung und die tierseuchenbedingten Preissteigerungen für Nahrungsmittel, die - wie schon in den Vorquartalen - zu einer deutlichen Abschwächung der realen Kaufkraft der privaten Haushalte führten und dadurch den privaten Konsum belasteten. Außerdem sei die deutsche Wirtschaft - aufgrund ihrer hohen Präsenz außerhalb Europas - stärker als andere Länder von der wirtschaftlichen Abschwächung in den USA betroffen. Das Nachlassen der Auslandsnachfrage wirkte sich auch auf die Binnenkonjunktur aus.

So hat sich die Investitionskonjunktur weiter deutlich abgekühlt. Die Ausrüstungsinvestitionen gingen im dritten Quartal merklich zurück. Der Bausektor scheint sich - nach jahrelanger Schwäche - allmählich zu stabilisieren. Der private Konsum ließ im Verlauf wieder etwas nach, nachdem er sich in den ersten beiden Quartalen - bedingt durch die Steuerentlastungen zu Beginn dieses Jahres - trotz vieler belastender Faktoren deutlich belebte. Die lahmende Konjunktur beeinträchtigte auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit nahm im 3. Quartal saisonbereinigt weiter zu.

Die Inlandsproduktsberechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Risiken für die Konjunkturentwicklung größer geworden sind. Der Bundesfinanzminister hofft jedoch, dass die wirtschaftliche Schwäche bald überwunden werde. 2002 sollten die wirtschaftlichen Auftriebskräfte wieder die Oberhand gewinnen.

Die wirtschaftlichen Fundamentalfaktoren hierfür seien günstig: Die kurz- und langfristige Nominalzinsen sind niedrig. Die Lohnentwicklung aktuell moderat. Die Inflationsraten rückläufig. Die Steuerreform wirke weiterhin entlastend (aus unserer Sicht jedoch nicht im Mittelstand). Außerdem sei im nächsten Jahr mit außenwirtschaftlichen Impulsen zu rechnen, da die Weltwirtschaft - wie allgemein erwartet ausgehend von den USA - wieder stärker werden dürfte. Davon dürften erfahrungsgemäß insbesondere die Investitionen profitieren, die für mehr Arbeitsplätze von zentraler Bedeutung sind.

 Grafik Gesamtwirtschaftliche Entwicklung - Zahlen
 Grafik dto. - Veränderung