Konjunkturaussichten für Mittelstand fallen
Denn vor allem die Großen profitieren vom Aufschwung

Vom Aufschwung im Mittelstand profitieren vor allem die größeren Unternehmen. Kleinen Betrieben geht es zwar gut, sie hinken aber hinterher. Trotz der teilweise euphorischen Aussagen der Wirtschaftsforschungsinstitute sind die Erwartungen der Mittelständler fürs kommende Halbjahr aber erstmalig seit zwei Jahren wieder gefallen - besonders bei Einzelhändlern und Handwerkern. Die Zahl der Arbeitsplätze im Mittelstand bleibt stabil. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer droht den Aufschwung im ersten Halbjahr 2007 zu verlangsamen.

Dies sind die Kernaussagen der aktuellen Konjunkturumfrage unter 1.191 Unternehmern, die der Bundesverband der Selbständigen (BDS) traditionell kurz vor Weihnachten durchgeführt hat. Das BDS-Mittelstandsbarometer, das die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen der Mittelständler zusammenfasst, erreicht nun schon im dritten Halbjahr hintereinander mit 13,6 einen positiven Wert. Im Winter des vergangenen Jahres lag der Wert noch bei "3,3", im vergangenen Sommer bei "12,9". Das Barometer steigt somit das achte Halbjahr in Folge.

"Hauptbotschaft: Der Mittelstand bietet wieder sichere Arbeitsplätze. Auch kleinen und mittleren Unternehmen geht es besser, aber mit Abstrichen gegenüber den Großen. Denn der Mittelstand leidet unter Bürokratie und Lohnzusatzkosten besonders stark - verbessert hat die schwarz-rote Bundesregierung auf diesen Gebieten noch zu wenig. Das muss sich im nächsten Jahr ändern", kommentiert BDS-Präsidentin Dorothea Störr-Ritter die Ergebnisse.

Geschäftserwartungen schlechter als die aktuelle Geschäftslage

Die aktuelle persönliche Geschäftslage wird zunehmend positiv betrachtet: Während nur noch 15 Prozent die eigene Lage als "schlecht" bezeichnen (Vorjahr: 23 Prozent), betrachten sie 36 Prozent als "gut" (Vorjahr: 26 Prozent). Die Mehrheit der Selbstständigen bewertet die persönliche Geschäftslage mit "befriedigend" (49 Prozent). Bedenklich ist, dass die Erwartungen ans kommende Halbjahr erstmals seit Sommer 2005 schlechter als die aktuelle Lage beurteilt werden: Der Barometerwert für die Geschäftserwartungen ist von 15,3 im Sommer um 8,5 Punkte auf 6,8 gefallen. Das lässt auf ein schwierigeres erstes Halbjahr 2007 schließen.

Für 2007 will Störr-Ritter aber keine Vorhersage treffen: "Zahlreiche Unternehmen werden im ersten Halbjahr die Mehrwertsteuererhöhung deutlich spüren. Wir hoffen aber, dass die Betriebe diese unnötige Belastung im zweiten Halbjahr 2007 verkraftet haben."

Ungleiche Branchen: Industrie boomt, Handel ist Nachzügler

Die Entwicklung der einzelnen Branchen ist uneinheitlicher als in den vergangenen Jahren. Während die Industrie boomt und sich Dienstleister und freie Berufe stetig weiterentwickeln, geht es dem Handwerk und Einzelhandel schlechter. Dabei liegen die Sorgen eher in der Zukunft: Während die aktuelle Geschäftslage noch positiv beurteilt wird, sind die Erwartungen fürs kommende Halbjahr zurückgegangen. 32 Prozent der Händler (Handwerk: 21 Prozent) benennen die Geschäftserwartungen als "schlecht". Dem stehen nur 17 Prozent (24 Prozent) gegenüber, die gute Geschäftserwartungen haben. Die Industriebetriebe blicken auch im kommenden Halbjahr rosigen Zeiten entgegen. 54 Prozent haben gute Geschäftserwartungen, nur 9 Prozent schlechte.

Beschäftigungsentwicklung: Mitarbeiter bleiben an Bord

Insgesamt wird der Mittelstand seinen Personalbestand im kommenden Jahr halten, der Abbau ist weitgehend gestoppt: Nur noch 12 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl reduzieren (Vorjahr: 17 Prozent), wohingegen 10 Prozent neue Mitarbeiter einstellen wollen (Vorjahr: 11 Prozent). Die große Mehrheit von 78 Prozent will den Personalbestand beibehalten. Bei den Unternehmen zwischen 10 und 50 Mitarbeitern ist mit einem Anstieg zu rechnen, Firmen bis zu 9 Mitarbeitern planen hingegen, weiter Mitarbeiter abzubauen.

Große Mehrheit rechnet nicht mit Betriebsschließungen

Auch die große Zahl an Insolvenzen gehört der Umfrage zufolge der Vergangenheit an. Weniger Betriebe werden schließen. Naturgemäß sind hier eher die kleineren Unternehmen gefährdet: während 19 Prozent der Einzelunternehmen ein Ende des Geschäfts für möglich halten, schließen die Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern eine Insolvenz weitgehend aus (98 Prozent). Erfreulich ist, dass insgesamt 90 Prozent der Unternehmen keine Betriebsschließung erwarten (Vorjahr: 88 Prozent).

Investitionen steigen bei größeren Mittelständlern und Industrie

In der Vergangenheit gab es eine deutliche Zurückhaltung der Investitionstätigkeit. Nun haben viele Unternehmen wieder Vertrauen in die Zukunft aufgebaut, entsprechend löst sich langsam auch der Investitionsstau auf. 59 Prozent der Unternehmen werden ihr Investitionsvolumen nicht verändern, bei 24 Prozent (Vorjahr: 29 Prozent) wird es verringert, rund 18 Prozent der Mittelständler planen eine Steigerung ihrer Investitionen (Vorjahr: 17 Prozent).