Konjunkturbericht Oktober
2002
Kein Anlass zu Optimismus
21.10.02 - opm -- Die jüngsten positiven Meldungen
über Auftrags- eingang und Industrieproduktion sind keine
Anzeichen einer Wende zum Besseren. Die konjunkturellen Frühindikatoren
und die verschiedenen Stimmungsindikatoren signalisieren ganz
im Gegenteil eine erneute Konjunkturabschwächung. Die für
den Herbst erhoffte Beschleunigung des Wirtschaftswachstums wird
nicht stattfinden. Das ungünstige weltwirtschaftliche Umfeld
und die geopolitischen Risiken dämpfen die Ausgabebereitschaft
von Konsumenten und Investoren nachhaltig.
Die Restrukturierungen
in vielen deutschen Unternehmen mit zum Teil erheblichem Arbeitsplatzverlusten
haben auf die Konsumneigung eine ebenso dämpfenden Einfluss
wie anhaltende Kursverluste an den Aktienmärkten oder Berichte
über eine vermeintliche Bankenkrise.
Die günstige Preisentwicklung
und das verhaltene Wirtschafts- wachstum nahe der Stagnation
sollten zu einer Neubewertung der Geldpolitik Anlass geben. Das
weiterhin über dem Referenzwert liegende Wachstum der Geldmenge
M3 dürfte angesichts der schwachen konjunkturellen Entwicklung
keine inflationären Gefahren in sich bergen. Die EZB verfügt
damit über Handlungs- spielraum für eine Senkung der
Geldmarktzinsen, den sie auch nutzen sollte.
Angesichts des immensen
Reformbedarfs in Deutschland hatten sich die Unternehmen und
die Finanzmärkte von den Koalitions- vereinbarungen der
neuen Bundesregierung eindeutige Reform- signale und Wachstumsimpulse
erwartet. Diese Hoffnungen sind enttäuscht worden. Die rot-grüne
Koalition beginnt ihre zweite Amtsperiode wie die erste - mit
einem klassischen Fehlstart. Anstatt mit Reformen und Ausgabensenkungen
die Haushalts- konsolidierung konsequent durchzuführen,
weitet der Staat seine Ansprüche an Bürger und Unternehmen
aus, werden beiden Gruppen weitere Belastungen aufgebürdet.
Gleichzeitig begibt sich
die Bundesregierung mit ihrer Neuinterpretation des Stabilitäts-
und Wachstumspakts auf einen schmalen Grat. 3,7 % statt unter
3 ist lt. EU die Verschuldungs- quote für 2002. Der Stabilitäts-
und Wachstumspakt ist bei strikter Einhaltung in sich wachstumsorientiert.
Er muss nicht erst neu interpretiert werden. Die "neue"
Leitlinie einer wachstumsorientierten Interpretation bedeutet
deshalb im Kern die Abkehr von einer langfristig orientierten
Finanzpolitik und die Rückkehr zu einer kurzfristigen und
kurzatmigen Konjunktur- politik.
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