Konjunktureinschätzung
der Banken
Reformdebatte hilft Stimmungsindikatoren
auf die Beine
* Das aktuelle Konjunkturbild
in Deutschland wird nach wie vor von dunklen Wolken beherrscht.
Der Rückgang der Industrieproduktion hat bis zuletzt angehalten.
Im zweiten Quartal ist deshalb ein erneutes Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts
nicht auszuschliessen. Die leicht rezessiven Tendenzen in der
deutschen Wirtschaft sind somit noch nicht überwunden.
* An diesem ernüchternden
Befund ändert auch der Rückgang der saisonbereinigten
Arbeitslosigkeit in den letzten beiden Monaten nichts. Er ist
vor allem auf statistische Effekte zurückzuführen,
wie ein Blick auf die weiterhin rückläufigen Beschäftigtenzahlen
unterstreicht.
* Erste Lichtblicke kommen
indes von den konjunkturellen Stimmungsindikatoren. Sie haben
sich zuletzt allesamt positiv entwickelt. Neben den gesunkenen
geopolitischen Risiken, den sich langsam etwas aufhellenden Konjunkturperspektiven
in den USA und der markanten Erholung der Aktienmaerkte ist diese
vor allem auf die ermutigenden Reformsignale zurückzuführen,
die in den letzten Monaten von der deutschen Wirtschaftspolitik
ausgingen. Die Chancen für grundlegende Strukturreformen
werden als so gross wie seit langem nicht mehr bewertet. Dies
sollte der Politik Mut machen, die angekündigten Massnahmen
konsequent und zügig umzusetzen.
* Der positive Trend bei
den Stimmungsindikatoren verspricht für die nächsten
Monate eine konjunkturelle Belebung in Deutschland. Da die Indikatoren
aber noch immer auf einem relativ niedrigen Niveau liegen, ist
im zweiten Halbjahr nur mit einer recht verhaltenen wirtschaftlichen
Aufwärtsbewegung zu rechnen. Ein Ende der Konjunktursorgen
wäre damit noch nicht eingeläutet.
* Zudem besteht die Gefahr,
dass ein neuerliches Stocken des wirtschaftspolitischen Reformprozesses
die Zukunftserwartungen von Unternehmen und Konsumenten schnell
wieder dämpfen könnte. Die durch aktuelle Umfragen
belegten Vorbehalte von Bürgern und Wirtschaft gegen ein
kreditfinanziertes Vorziehen der Steuerreform sollten daher sehr
ernst genommen werden. Das gilt umso mehr, als die ausschliesslich
auf den kurzfristigen Nachfrageeffekt setzenden Argumente für
eine höhere Neuverschuldung in der gegenwärtigen Situation
sehr zweifelhaft erscheinen.
* Die geplante Gesundheitsreform
kann nur bedingt überzeugen. Im Konzept überwiegen
einmalige Kostensenkungs- und Umfinanzierungsmassnahmen, während
das grundsätzliche Umsteuern zu einem stärker wettbewerblich
ausgerichteten Gesundheitssystem entschieden zu kurz kommt.
 |