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Ostdeutschland - europäische
Region mit Potenzial
(opm - 24.5.02) - "Wo
versteckt sich der ostdeutsche Tiger?" lautet der Titel
eines Gutachtens zu den Wirtschaftsperspektiven der neuen Bundesländer,
das gemeinsam von der Deutschen Nationalstiftung und dem Bundesverband
der Deutschen Industrie (BDI) heute in Berlin vorgestellt wurde.
Das Gutachten wurde gemeinsam von vier Wirtschaftswissenschaftlern
aus Polen, Tschechien, den Niederlanden und Großbritannien
erstellt. "Der unbefangene Blick von außen stellt
den besonderen Reiz der Studie dar", so BDI-Hauptgeschäftsführer
Ludolf v. Wartenberg.
Die vier Autoren betonen in ihrer Studie, dass das gewählte
Bild von "Ostdeutschland als Wirtschaftstiger" nicht
die Situation eines überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums,
sondern vielmehr das noch ungenutzte Potenzial dieser Region
beschreiben soll. Zwar sei die Wirtschaftskraft gemessen am westdeutschen
Niveau immer noch zu gering. Auf der anderen Seite rufen die
Wissenschaftler dazu auf, den Erfolgen und Leistungen der ostdeutschen
Wirtschaft mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
So seien die Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen
Regionen geringer als die regionalen Unterschiede in anderen
europäischen Staaten, wie beispielsweise in Großbritannien.
Der "Tiger", so die Gutachter, bleibe in den Köpfen
der ostdeutschen Bevölkerung stecken. Die hochgesteckten
Erwartungen seien von Anfang an zu unrealistisch gewesen. Ostdeutschland
habe in besonderer Weise ein mentales Problem. Die Politik wiederum
müsse Selbstsicherheit mobilisieren, um den Aufholprozess
voranzutreiben. Helmut Schmidt fordert hier den "Paukenschlag
für den Osten" - ein Programm zur politisch-bürokratischen
'Ausforstung' zum Wohl eines neuen Unternehmertums in Ostdeutschland.
Die politische Kernempfehlung des Gutachtens ist die Intensivierung
in der Innovationspolitik und Nutzung deutlicher regionaler Schwerpunktsetzung
(Cluster) in den neuen Bundesländern. Vor dem Hintergrund
des weltweiten Strukturwandels liegen die Chancen Ostdeutschlands
nicht anders als die anderer Regionen in der Welt. Der strukturelle
Wandel bietet gerade schwach entwickelten Regionen und Staaten
Entwicklungspotenziale, die es zu nutzen gilt, so der Tenor der
Studie. "Die insgesamt optimistische Perspektive des Gutachtens,
die Betonung der Innovationspolitik und der Appell zur Cluster-Bildung
geben neuen Anlass, über die künftige Gestaltung des
Aufbau Ost nachzudenken", forderte Albrecht Graf v. Kalnein,
Geschäftsführer der Deutschen Nationalstiftung.
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