Zukunft des Mittelstandes in Europa aktiv gestalten

(28.6.02) Mittelständische Unternehmen sind von der zunehmen- den internationalen Verflechtung der Märkte sowie den immer rascheren Veränderung des Wettbewerbsumfeldes ebenso betroffen wie Großkonzerne. Eine gemeinsame Währung, einheitliche Rechtsakte, Regeln zum freien Verkehr von Waren- und Dienstleistungen haben einen gemeinsamen europäischen Binnenmarkt geschaffen, der die mittelständischen Unternehmen vor neue Wettbewerbsbedingungen stellt. So erfolgt über die Hälfte des gesamten deutschen Handels innerhalb der Europäischen Union, sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite. Europa ist damit für uns der wichtigste Wirtschaftsraum!

Die weitreichende Globalisierung, die hauptsächlich in der stetigen Weiterentwicklung und Ausdehnung des Finanzsystems sichtbar wird, trägt ihr übriges dazu bei, dass wir in Europa erneut vor neuen Herausforderungen stehen. Von 1985 bis 1995 haben sich die Finanzströme um das 1500-fache erhöht! Das Funktionieren des Finanzsystems wird u.a. auch durch bankenaufsichtsrechtliche Regelungen, wie sie gegenwärtig im Rahmen von Basel II verhandelt werden, gesichert. Dies sind notwendige regulierende Standards, um die Marktmechanismen funktionsfähig zu erhalten, so durch die Verankerung einheitlicher Mindeststandards für die Risikobeurteilung von Bankkrediten.

Für den Mittelstand bedeutet diese risikogewichtete Margenanpassung eine tiefgreifende Reform der bestehenden Refinanzierungsgewohnheiten. Im Vergleich mit anderen Industriestaaten haben kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland und in Italien mit 18 bzw. 22 Prozent die geringste Eigenkapitalquote. Schweden, Frankreich und die Niederlande weisen für ihre mittelständischen Unternehmen Eigenkapital- quoten von rund 30 Prozent aus. In Spanien liegt der Eigenkapital- anteil bei gut 40 Prozent. Ähnlich hoch liegt der Eigenkapitalanteil in den USA. Allein aufgrund dieser Datenlage ergeben sich unterschiedliche Ausgangslagen im europäischen und weltweiten Wettbewerb.

Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Finanzierung mittelständischer Unternehmen auf eine marktorientierte Basis gestellt werden. Bereits heute klagen laut der jüngsten KfW-Umfrage zur Unternehmensfinanzierung rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen über erhöhte Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen mit ihren Banken. Diese Situation wird sich nach dem Inkrafttreten der Regeln zu Basel II weiter verschärfen.

weiter