Software-Patente und die Folgen
Millionen Webseiten in Gefahr

(13.11.01) - - In Europa wird die Zulassung von Softwarepatenten heiss diskutiert. Für viele scheint dies eine rein theoretische Diskussion, doch wohin das in der Praxis führt zeigt das Beispiel der US-Firma Eolas Technologies. Diese hält seit 1998 ein Patent über die Einbettung und automatische Ausführung von Plugins in Webseiten und konnte nun ein Geschworenengericht davon überzeugen, dass Microsofts Internet Explorer eben dieses Patent verletzt. Mit der Folge, dass Eolas 520 Mio. Dollar Schadensersatz zugesprochen wurden. Aber damit nicht genug. Microsoft mußte sich verpflichten, den auf über 90 % aller Rechner eingesetzten Internet Explorer Anfang 2004 zu überarbeiten.

Die Folgen wäre dabei nicht "fern", sondern würden Millionen von Webseiten und Software-Produkten betreffen, die dann mit einem Schlag inkompatibel würden.

Deshalb will das US Patent and Trademark Office dieses so genannte Eolas-Patent über die Einbettung und automatische Ausführung von Plugins in Webseiten noch einmal überdenken. Deputy Patent Comissioner Stephen G. Kunin hat deshalb am 30. Oktober nach Berichten von Australian IT angeordnet, das im November 1998 vergebene Patent noch einmal zu bearbeiten. Es sei zu überprüfen, ob es sich bei dieser Technologie zu diesem Zeitpunkt wirklich um eine gänzlich neue Idee handelte.

Das Problem dabei ist nicht der Urheberschutz von kompletten Programmen, sondern eben die Patentierung von kleinen Programmteilen und Techniken, die die komplette Entwicklung in der Software- branche zum Erliegen bringen oder erheblich erschweren.