Wer einen Überwachungsstaat
will,
soll ihn auch selbst bezahlen
(31.05.02 - opm) - Der
Bundesrat hat heute mit großer Mehrheit im Rahmen einer
Gesetzesinitiative die primär zur Bekämpfung des sexuellen
Missbrauches von Kindern gelten soll, Änderungen zum Telekommunikationsrecht
verabschiedet, die tiefe Eingriffe in das grundrechtliche verbriefte
Fernmeldegeheimnis nach sich zieht.
Die vorgeschlagenen Änderungen
sind für die IT- und Telekommunikations-Branche wirtschaftlich
untragbar, meint das eco-Forum, die Vereinigung der Internet-Provider.
"Hier wird durch die Hintertür mal wieder versucht,
rechtliche Fakten zu schaffen, die wirtschaftlich nicht vertretbar
sind. Solange von der Industrie verlangt wird auf eigene Kosten,
irreale Wünsche der Strafverfolgungsbehörden zu befriedigen,
werden wir uns wehren. Wir fordern den Gesetzgeber auf, endlich
selbst die horrenden Kosten der TK-Überwachung zu übernehmen
! Wer einen Überwachungsstaat will, soll ihn auch selbst
bezahlen!" verlangt Harald A. Summa, Geschäftsführer
von eco. "Die Abwälzung der Kosten für die Überwachung
auf die TK Unternehmen ist für die Industrie untragbar.
In keinem anderen Land wird die Wirtschaft derart mit Kosten
belastet". Aufgrund der schlechten Marktsituation und der
massiv gefallenen Aktienkurse, befindet sich die Telekommunikationsbranche
derzeit in einer verschärften Wettbewerbssituation, bei
dem sich manches international agierende Unternehmen die Frage
nach der Schließung von Standorten ernsthaft stellen muss.
In einer solch kritischen wirtschaftlichen Situation den Unternehmen
weitere unverhältnismäßige Auflagen zu machen,
erhöht die Gefahr, dass zunehmend Entscheidungen gegen den
Standort Deutschland getroffen werden. Deutschland riskiert damit
unnötig den Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen.
"Es ist für uns völlig unverständlich wie
diese Forderungen im Bundesrat von Bundesländern unterstützt
werden, die starke IT-Standorte sind und tausenden Menschen Arbeitsplätze
bieten. Die Wirtschaftspolitiker scheinen nicht zu den Vorschlägen
im Bundesrat gefragt worden zu sein.", so Harald A. Summa
weiter. Zur Effizienz von Telekommunikations-Überwachung
gibt es keinerlei wissenschaftlich belegte Aussagen. Das vom
Bundesjustizministerium in Auftrag gegebene Gutachten zur "Evaluation
der Eingriffsbefugnisse des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung
der Strafverfolgungsbehörden", welches die äußerst
wichtige Frage des Zweck-Mittel-Aufwandes für die Industrie
klären soll und schon Mitte 2001 fertig gestellt sein sollte,
ist bis heute nicht fertig. Ein Grund hierfür ist auch die
mangelhafte Kooperation der Länder. Diese müssen ihre
Statistiken und Zahlen liefern.
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